Lexipedia

Gmür-Schönenberger Andrea · Nationalrat · 2017-06-13

Gmür-Schönenberger Andrea · Nationalrat · Luzern · CVP-Fraktion · 2017-06-13

Wortprotokoll

Wir alle haben letztes Jahr mit Stolz die Eröffnung der Neat gefeiert und heute den Tätigkeitsbericht der Neat-Aufsichtsdelegation für das Jahr 2016 verabschiedet. Das Jahrhundertwerk ermöglicht markant schnellere Verbindungen von der Deutschschweiz ins Tessin. Das ist erfreulich. Der Zentralschweiz wurde mehrmals versprochen, dass die Verkehrsanbindung von Luzern verbessert und die Direktverbindungen in den Süden wieder häufiger würden. Weniger erfreulich ist, dass der Fahrplan nun genau das Gegenteil zeigt: Direktzüge von Luzern nach Locarno gibt es keine mehr, und auch die Zahl der Direktverbindungen nach Lugano ist reduziert worden. Gerade aber für Familien, für ältere und für gehbehinderte Menschen wäre es viel einfacher, wenn eine Direktverbindung von Basel über Luzern bis ins Tessin und zurück angeboten würde. Vor der Neat-Eröffnung war dies im Zwei-Stunden-Rhythmus möglich. Mindestens zwei- bis dreimal pro Tag müsste eine Direktverbindung auch heute noch in beide Richtungen möglich sein. Das müssen die SBB richten können.

Auch die Kapazitätsbedürfnisse werden heute nicht mehr erfüllt. Dies zeigte sich erst kürzlich bei zwei Schulklassen aus Buchrain. Eine Gruppe mit total 55 Reisenden, die ihre Reservation zehn Tage vor der Abreise erledigt, muss zwingend Platz finden. Dem war aber nicht so. So viel Vorausplanung muss für die SBB möglich sein. Wir wollen ja nicht, dass solche Gruppen nun auf die Strasse umsteigen. Da stellt sich dann schon auch die Frage, wie es um unseren Service public steht.

Die seit der Inbetriebnahme der Neat schlechteren Verbindungen und die teils mangelnde Kapazität an Verbindungen von der Zentralschweiz ins Tessin haben aber noch einen weit gravierenderen Nachteil als nur das zusätzliche Umsteigen: Wenn die Verbindungsachse Basel-Zürich-Tessin schneller und besser erschlossen ist als der Weg über Luzern, nimmt längerfristig auch die Frequenz des Bahnhofs Luzern ab. Luzern und die ganze Zentralschweiz brauchen aber dringend den geplanten Durchgangsbahnhof. Dafür kämpfen wir nun seit Jahren und werden auf Jahrzehnte hinaus vertröstet. Wird die Frequenz des Bahnhofs Luzern via schlechte Verbindungen gesteuert, wird Zürich in naher Zukunft wieder überlastet sein. Seitens des Bundes wird wohl argumentiert werden, es brauche überhaupt keinen Durchgangsbahnhof. Das können, wollen und werden wir so nicht akzeptieren.

In dem Zusammenhang frage ich mich schon auch - hier erlaube ich mir eine Klammerbemerkung -, was an den medialen Schlagzeilen dran ist, wenn es darum geht, dass die SBB das ganze Bahnnetz revolutionieren wollen. Da ist es manchmal ein bisschen schwierig, wenn wir Infos über die Medien und nicht von den SBB direkt erhalten und dazu noch keine Ahnung haben, ob es sich um Zeitungsenten handelt oder nicht.

Ich bitte Sie: Helfen Sie mit, die Attraktivität der Zentralschweiz in wirtschaftlicher, touristischer und verkehrstechnischer Sicht mit einer guten Anbindung im SBB-Netz zu sichern und dafür zu sorgen, dass die im Zusammenhang mit dem Bau der Neat gemachten Versprechungen gehalten [PAGE 1073] werden. Mit meiner Motion soll zudem die Einbindung der Zentralschweiz ins internationale Bahnverkehrssystem erhalten bleiben.[GZ]

Ich bitte Sie, die Motion zu unterstützen.