Heberlein Trix · Nationalrat · 2002-04-16
Heberlein Trix · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-04-16
Wortprotokoll
Ich möchte zuerst meine Interessenbindung offen legen: Ich bin Präsidentin von Swisstransplant und demnach daran interessiert, dass die Transplantationsmedizin in unserem Land als eine anerkanntermassen qualitativ sehr gute Medizin - auch nach einem ausländischen Gutachten - weiterhin gut funktioniert. Wir haben jedes Jahr rund tausend Patienten auf der Warteliste; es sind im letzten Jahr mindestens fünfzig Patienten gestorben, die ein lebensrettendes Organ nicht erhalten konnten. Aus diesem Grund habe ich mich auch gegen die Überweisung des Postulates gewandt; es wird jetzt zwar nicht mehr bekämpft. Der Text des Postulates Günter lautet: "Der Bundesrat wird ersucht, in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Errichtung eines schweizerischen Zentrums für Transplantationsmedizin zu prüfen." Dieser Text deckt sich nicht mit der Auslegung, die Sie jetzt gegeben haben. Ich bin mir bewusst, es ist ein Postulat, und es lohnt sich nicht unbedingt, ein Postulat zu bekämpfen. Im Entwurf zum Transplantationsgesetz wird die Kompetenz jetzt so festgelegt, dass der Bund zusammen mit den Kantonen darüber spricht, dass die Zuständigkeit aber nicht beim Bund liegt. Wenn eine Konzentration erfolgen sollte, dann kann dies nicht ohne Zustimmung der Kantone geschehen. Sie hüten ihre Kompetenzen im Gesundheitsbereich bekanntlich sehr intensiv.
Es gibt verschiedene Argumente für die Dezentralisierung. Ich denke, die "Beschaffung" von Organen ist einfacher, die Spendefreudigkeit ist sehr viel grösser, wenn ein Organ in der Nähe respektive im Spital selbst, das auch transplantiert, verwendet werden kann, als wenn eine unbekannte Verwendung erfolgt. Im Postulat Zisyadis 00.3258 wird darauf verwiesen, dass es gemäss dem ersten Gesetzentwurf noch eine Liste der Leute geben sollte, welche bereit sind, ein Organ zu spenden. Darauf ist jetzt im neuen Gesetz verzichtet worden, weil man gesehen hat, dass sich Aufwand und Nutzen in Grenzen halten.
Persönlich bin ich auch der Meinung, dass eine bessere Aufgabenteilung erfolgen sollte. Die Universitätskliniken sind aus eigenem Interesse im Moment daran, Lösungen zu erarbeiten, damit sie auch im Hinblick auf die Beratung des Transplantationsgesetzes mit positiven Vorschlägen kommen können und nicht von irgendwoher gezwungen werden müssen, Leistungen einzuschränken, für die ein grosser Bedarf besteht.
Herr Günter, ein Zentrum wäre nun wirklich eine völlig übertriebene Lösung. Denn jeder Transplantationsmediziner transplantiert nicht nur, sondern er ist Viszeralchirurg oder in irgendwelchen chirurgischen Bereichen tätig. Pro Jahr erfolgen rund 450 Transplantationen - ein Spital allein wäre damit sicher überfordert, ganz abgesehen davon, dass Vor- und Nachbehandlungen die kostenintensiven Bereiche sind und nicht unbedingt die Operation allein.
Ich wehre mich nicht gegen die Überweisung des Postulates, wenn Herr Günter es so versteht, wie er mündlich ausgeführt hat. Gegen den Text, wie er hier steht, hätte ich mich aufgelehnt.