Rieder Beat · Ständerat · 2017-06-15
Rieder Beat · Ständerat · Wallis · CVP-Fraktion · 2017-06-15
Wortprotokoll
Ich unterstütze die Motion Dittli aus grundsätzlichen Überlegungen. Wenn Sie als Touristiker an einem runden Tisch teilnehmen und die Probleme des Tourismus in der Schweiz diskutieren, dann fällt immer als Erstes der Satz: "Wir haben keine Produkte, weil wir überreguliert sind." Mit anderen Worten heisst das: "Wir können nichts anbieten, weil uns der Gesetzgeber dies verbietet."
Diese Konflikte zwischen Natur-, Jagd- und Tierschutz einerseits und den touristischen Leistungsträgern andererseits nehmen im Berggebiet leider zu. Das hat zum einen mit der ständigen Ausdehnung der Schutzgebiete und der damit verbundenen schärferen Regulierung zu tun. Zum andern sehen wir uns im Tourismus gezwungen, konkurrenzfähige und attraktive Produkte auf den Markt zu werfen, wozu eben auch Skitouren, Skiabfahrten und Schneewanderungen gehören. Auch wenn es einzelne Jäger hier im Saal vielleicht nicht gerne hören, muss ich sagen, dass das Berggebiet schon seit Jahrhunderten nicht mehr von der Jagd lebt und vielmehr andere Erwerbszweige hat, denen Sorge zu tragen ist. Die betreffenden Kantone haben zudem das Problem ja erkannt; das hat Kollege Dittli richtig ausgeführt. Die Wildtiere brauchen im Winter Einstandsgebiete, wo sie Ruhe und Schutz finden. Deshalb haben die Kantone, gestützt auf Artikel 4ter der Jagdverordnung, sogenannte Wildruhezonen eingerichtet. In diesen Wildruhezonen gibt es keine touristischen Aktivitäten. Und damit ist dem Schutz der Wildtiere Genüge getan. Ausserhalb der Wildruhezonen, in den übrigen Gebieten - auch in den Jagdbanngebieten -, gibt es keinen Grund für weitere Verschärfungen der Regulierung.
Der Sinn eines Jagdbanngebietes ist es eigentlich, den Jagdwildbestand so hoch zu halten, dass er durch die Jagd nicht beeinträchtigt wird. Wir haben aber in der Schweiz einen rekordhohen Wildbestand; der Wildbestand ist nicht gefährdet. Die Jagdbanngebiete erfüllen also ihren Zweck, sodass es keinen einzigen Grund gibt, hier die gleichen Massnahmen wie bei den Wildruhezonen anzuwenden. Die Jagdbanngebiete sollen den Wildbestand für die Jäger erhalten, aber nicht auch noch gleichzeitig den touristischen Leistungsträgern ihre Möglichkeit zum Erwerb wegnehmen.
Es gibt im Zusammenhang mit diesen Schutzgebieten auch eine unglaubliche Diskrepanz bezüglich Mensch und Tier. Wenn Sie jetzt hier diese Regulierung beibehalten, dann wird sicherlich der Mensch unter Sanktionsdruck diese Regulierung einhalten; der Vierbeiner, das Raubtier wird das hingegen nicht machen. So gibt es im Val d'Anniviers eine Wildruhezone, die Sorebois heisst; auch hier steht man vor der Herausforderung, den Vierbeinern beizubringen, dass dort eine Wildruhezone bzw. ein Schutzgebiet ist. Diese Vierbeiner werden das nicht machen, weil das Bafu noch kein Lehrmittel für diese Tiere entwickelt hat. Wir werden also einerseits dann den Menschen regulieren, sehr scharf regulieren, aber andererseits im Winter in diesen Wildruhezonen ganze Schlachtfelder feststellen können. Das ist diese Diskrepanz, die den Leuten in den Berggebieten langsam auf den Wecker geht.
Wir müssen wieder zur Vernunft zurückkehren, wir müssen eine anständige, normale Regulierung akzeptieren. Wir haben Gebiete ausgeschieden, für die eine sehr harte Regulierung gilt. Gehen wir nicht dazu über, diese Regulierung jetzt auch noch auf das gesamte Jagdbanngebiet und auf die touristischen Leistungsträger auszuweiten.[GZ]
Ich danke für die Unterstützung der Motion.