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Bischofberger Ivo · Ständerat · 2017-09-12

Bischofberger Ivo · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · CVP-Fraktion · 2017-09-12

Wortprotokoll

Am heutigen Tag, dem 12. September, trat im Jahre 1848 die erste Bundesverfassung in Kraft. Wir begehen diesen Tag der Bundescharta mit einer kleinen Ausstellung in der Kuppelhalle vor den drei Eidgenossen.

In dieses Jahr fällt auch das 500-Jahr-Jubiläum des Beginns der Reformation. Dies dient uns als Anlass, in der Ausstellung zu zeigen, wie sich religiöse Grundwerte und staatliches Recht auf vielfältige Weise verzahnt haben, wie Religion und Politik in wechselseitiger Beziehung stehen.

Zwar hatte die Reformation die Eidgenossenschaft tief gespalten. Es ist aber unseren Vorfahren gelungen, mit einer Verfassung die Koexistenz verschiedenster politischer, sprachlicher, kultureller und religiöser Lager zu ermöglichen. Für die Kirchen sollte nicht der Bund zuständig sein, sondern die Kantone - ein äusserst weiser Entscheid, der den unterschiedlichen Befindlichkeiten entgegenkam.

Die Bundesverfassung von 1848 garantierte die Kultusfreiheit für Christen. Sie verwehrte aber den Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft die vollen Bürgerrechte. Ihre Gleichstellung auf eidgenössischer Ebene erfolgte 1866 auch auf Druck Frankreichs, der USA und der Niederlande. Auch islamische Staaten intervenierten zugunsten von Glaubensgenossen in der Schweiz. Persien etwa machte bereits im 19. Jahrhundert die Gleichstellung von Muslimen zur Bedingung für einen Handelsvertrag.

Ein wesentlicher Teil der Ausstellung ist Niklaus von Flüe gewidmet, dem Schutzpatron der Schweiz. Der Asket und Mystiker wurde vor 600 Jahren im Flüeli im Kanton Obwalden geboren. Er war als Ratgeber beim Volk wie bei den Staatsmännern geschätzt und hoch geachtet. Seine Vermittlungstätigkeit an der Tagsatzung von 1481 sicherte seine Strahlkraft bis heute. Zwischen den zerstrittenen Land- und Stadtkantonen kam dank seiner Intervention das Stanser Verkommnis zustande. Freiburg und Solothurn fanden im eidgenössischen Bund Aufnahme, und der schwelende Konflikt zwischen den Stadt- und Landkantonen konnte beigelegt werden.

Jeden Tag begegnen wir im Haus der Statue von Niklaus von Flüe in der Kuppelhalle, in der rechten Nische gegenüber den drei Eidgenossen. Er erinnert uns heute noch daran, wie wichtig die Bereitschaft zum friedfertigen Gespräch und zu gemeinsamen Lösungen ist.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung. Der Blick in die eigene Geschichte ist immer auch lehrreich für die Zukunft, denn er erinnert uns stets daran, dass wir ob den Institutionen und den Inhalten nicht vergessen sollen, dass jeder Staat Menschenwerk ist und als solches nie perfekt sein wird. Institutionen sollen dem Menschen dienen und werden selber vom Menschen geprägt. Wir haben unser politisches Schicksal daher mehr als jedes andere Volk in den eigenen Händen.[GZ]

Besten Dank für Ihr Interesse an der Ausstellung!