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Rechsteiner Paul · Ständerat · 2017-09-13

Rechsteiner Paul · Ständerat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-09-13

Wortprotokoll

Im gleichen Sinne wie meine Vorrednerin und mein Vorredner lade ich Sie ein, der Minderheit und damit dem Nationalrat zu folgen. Niemand bestreitet, dass die Verkaufskanäle sich in Zukunft wandeln. Sie wandeln sich ja schon heute. So funktioniert die SBB-App viel besser als früher und hat sich weiterentwickelt. Diese Entwicklung wird weitergehen.

Die Frage ist, ob die traditionellen Verkaufskanäle deshalb mit der Geschwindigkeit eliminiert und reduziert werden sollen, wie dies die SBB-Spitze im Moment anstrebt. Dies betrifft die Kundinnen und Kunden, die traditionell unterwegs sind und ein Billett an einer Verkaufsstelle kaufen wollen, vor allem Ältere bzw. all diejenigen, die noch nicht mit einem Smartphone unterwegs sind. Es gibt immer noch Leute, nicht wenige, die nicht mit dieser Technologie unterwegs sind, und es soll in unserem freiheitlichen Staatswesen ja auch nicht verpflichtend werden, dass man nur noch so bedient wird. Es ist so, dass die SBB für die ganze Bevölkerung niederschwellig funktionieren sollen. In diesem Sinne wäre es diesen Leuten gegenüber ein wichtiges Zeichen, dass man diese traditionellen Kanäle zumindest aufrechterhält.

Was die SBB nun machen, ist aber auch eine schwierige Sache für jene Gemeinden und kleineren Städte, die heute mit diesen Agenturen funktionierende Verkaufsstellen haben. Im Kanton St. Gallen ist es wie im Thurgau oder im Jura: Es sind kleinere Städte wie Flawil, Rorschach, Altstätten, in denen es funktioniert. Alle Gemeindepräsidenten rufen uns auf, der Minderheit zuzustimmen. Auch Bad Ragaz ist als Tourismusdestination ein stark mitbetroffener Ort, an dem es eben nicht nur die Bevölkerung betrifft, sondern auch die Gemeinde selber. Die Gemeinden sind nachhaltig daran interessiert, dass man das Angebot nun so aufrechterhält. [PAGE 595]

Politisch ist zu bemerken, dass es doch noch interessant ist: Bei der Post - wir werden ja diese Diskussionen wieder ausgedehnt führen - ist die Agentur das Modell, das für ländlichere Regionen angepriesen wird. Ausgerechnet hier soll das Agenturmodell nicht funktionieren. Klar sind es nicht die gleichen Bundesunternehmen, aber man sollte doch darauf Rücksicht nehmen. Diese Agenturen sind dort positiv, wo das Volumen etwas kleiner ist.

Eine letzte Bemerkung: Es ist Ihnen sicher nicht entgangen - ich habe diesen Gedanken ja hier entwickelt -, dass ich bezüglich der Fernverkehrskonzession nachdrücklich die Meinung vertreten habe, dass eine Fernverkehrskonzession aus einer Hand im System grosse Vorteile hat. Die SBB-Spitze und die SBB überhaupt können mir sicher nicht unterstellen, dass ich kein grosser Anhänger unserer Schweizerischen Bundesbahnen sei. Mir ist einfach jetzt aufgefallen - das ist vielleicht eine kleine pikante Note -, dass die BLS beim Anpreisen ihres Angebots Ende letzter Woche gesagt hat, sie sei viel kundenfreundlicher. Sie macht jetzt unter anderem - das ist eine ihrer Ideen - das Angebot des Ticketverkaufs im Zug durch das Personal.

Solche Dinge hören wir. Das geht etwas in die Richtung, die man auch von den SBB erwarten müsste: Kundenfreundlichkeit, positive Haltung auch zu älteren Kundinnen und Kunden, die diese traditionellen Kanäle schätzen. Man könnte sich auch viel nachträglichen Werbeaufwand ersparen, wenn man hier nicht Leute verprellen würde und wenn man auch mit den Gemeinden und den kleineren Städten in der Fläche so umginge, dass man sie nicht in eine Richtung zwingt, die am Schluss nichts anderes als Leistungsabbau bedeutet.[GZ]

In diesem Sinne bitte ich Sie, der Minderheit zuzustimmen.