Hess Lorenz · Nationalrat · 2017-09-18
Hess Lorenz · Nationalrat · Bern · Fraktion BD · 2017-09-18
Wortprotokoll
Lassen Sie mich vorab kurz sagen, worum es hier nicht geht: Es geht nicht darum, dass die Freiberger Zucht nicht mehr subventioniert werden soll. Hingegen geht es um die Forderung, dass die eingesetzten Mittel - wir sprechen in diesem Fall von rund 1,2 Millionen Franken - nicht primär der Fleischproduktion dienen sollen, sondern der Ausbildung der Jungpferde. Das heisst konkret, dass die sogenannten Rassenerhaltungsprämien nicht mehr zur Subventionierung der Fleischproduktion gebraucht werden sollen, sondern dass auch im Sinne der späteren Besitzer von Pferden Tiere auf den Markt kommen, die tatsächlich zu ihrem Zweck auch taugen und unter anderem auch als Freizeitpferde verwendet werden können.
Im Moment ist es so, dass die Prämien pro Fohlen ausgerichtet werden. Das hat natürlich den Anreiz zur Folge, dass mit der Produktion oder, besser gesagt, der Aufzucht von vielen Fohlen eben auch viele Prämiengelder verdient werden können. Das ist ein falscher Anreiz. Der Anreiz bei dieser Subventionierung der Zucht sollte der sein, dass ein Pferdezüchter die Mittel zwar tatsächlich erhält, dass er diese aber einsetzt, um die Ausbildung der Pferde auf einen gewissen Stand zu bringen, sodass die Tiere den Feldtest bestehen können; etwas, das auch aus Sicht der späteren Besitzer der Tiere wichtig ist. Jährlich gibt es Tausende von Unfällen mit Pferden - das kann man in der Suva-Statistik nachlesen -, das nicht zuletzt deshalb, weil diese Pferde für ihren Einsatz vom Charakter her eben nicht geeignet sind. Deshalb sollte der Hebel hier angesetzt werden.
Es sollte nicht so sein wie in den Jahren bis zum Einreichen dieses Vorstosses - ich habe ihn 2015 eingereicht -, in denen es eine grosse Anzahl an Fohlen war, zwischen 900 und etwas über 1000, die für die Schlachtbank produziert wurden. Natürlich ist es einfacher und lukrativer, wenn die Subvention auf diese Weise eingefordert werden kann, als wenn noch ein gewisser Aufwand betrieben werden muss, um die Pferde auf einen Stand zu bringen, auf dem sie tatsächlich all den Ansprüchen, die an diese Rasse gestellt werden, auch gerecht werden können. Darum geht es in diesem Vorstoss. Es soll niemandem verwehrt sein, weiterhin Freiberger Pferde zu züchten. Man soll dazu auch, wie es vorgesehen ist, eine Subvention erhalten.
Der Bundesrat sagt, gegenwärtig sei die Arbeitsgruppe daran, verschiedene Fördermassnahmen kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen. Weiter sagt er: "Bevor jedoch Entscheide diesbezüglich getroffen werden können, ist es wichtig, Stärken und Schwächen sowie Chancen und Gefahren verschiedener Massnahmen, wie zum Beispiel Beiträge für die Ausbildung von Jungpferden, gegeneinander abzuwägen". Also hat offenbar auch der Bundesrat die Problematik erkannt, und aus diesem Blickwinkel gesehen muss ich sagen, dass ich die Empfehlung des Bundesrates auf Ablehnung der Motion nicht verstehe. Denn offenbar will man in diese Richtung gehen, und damit kommt diese Motion zum richtigen Zeitpunkt.
Ich bitte Sie, dieser Motion zuzustimmen, damit Subventionen, deren Beträge sich doch in einer nicht ganz unerheblichen Höhe bewegen, richtig eingesetzt werden, für die Ausbildung der Pferde und nicht für die Produktion von Pferden, die wegen zu grosser Zahl von vornherein für die Schlachtbank bestimmt sind.