Jositsch Daniel · Ständerat · 2017-09-27
Jositsch Daniel · Ständerat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-09-27
Wortprotokoll
Es ist in der Tat nicht das erste Mal, dass wir in diesem Rat über dieses Thema sprechen. Sie erinnern sich: Das letzte Mal war Frau Bundesrätin Leuthard hier im Saal, und sie legte uns anschaulich dar, dass wir regelmässig im gleichen Kontext über die verschiedensten Tiere sprechen. Vermutlich werden wir auch in Zukunft wieder über den Wolf und andere Tiere sprechen.
Ich glaube, wir haben einen guten Weg gefunden, wie wir in unserem Land mit Wildtieren umgehen. Auf der einen Seite müssen wir akzeptieren, dass es Wildtiere sind. Sie sind, wie der Wolf, zuweilen auch nicht Vegetarier, um ein Zitat aus der letzten Debatte aufzunehmen. Auf der anderen Seite gibt es berechtigte Interessen, beispielsweise von Schafhaltern und anderen Personen, die von Wildtierschäden betroffen sein können.
Die vorliegende Standesinitiative, über die wir heute abstimmen, geht aber weit über das hinaus, was ein vernünftiges Mass und eine Balance darstellen würde. Es geht darum, dass die Berner Konvention gekündigt, ohne Schutz des Wolfes neu verhandelt und damit der Wolf zum Abschuss freigegeben wird. Das ist explizit so vorgesehen. Bei zwanzig bis [PAGE 741] vierzig Exemplaren in der Schweiz wäre das schlicht und ergreifend das Todesurteil für den Wolf, und es wäre die Entscheidung, dass wir hier keine Wildtiere haben wollen. Wir wollen ein bisschen Gras, ein bisschen Baumbestand, dann darf es ein paar Vögel haben, aber ansonsten wollen wir hier keine Wildtiere, wir wollen das unter Kontrolle haben. Wir gehen zwar gerne in die Ferien, wir machen Safari in Kenia. Wenn die Kenianer auf die Idee kämen, alle Löwen abzuschiessen, weil sie gefährlich sind, würden wir sagen, das sei eine Sauerei, der WWF solle eingreifen usw. Aber bei uns: Amseln und Spatzen, alles andere bitte im Zoo.
Ich glaube, wir müssen uns schon fragen, ob wir noch ein bisschen Natur zulassen wollen. Die Balance, die wir in unserem Land haben, besagt ja auch, dass verhältnismässig wenige Personen betroffen sind. Ich erspare Ihnen all die Zahlen, die wir in der letzten Debatte diskutiert haben: wie viele Schafe gerissen werden, wie viele Schafe abstürzen, weil sie nicht behirtet werden. Sie erinnern sich, dass die Zahl der von Wölfen gerissenen Schafe, verglichen mit Todesfällen, die Schafen durch anderes Unheil drohen, minim ist. Sie wissen auch, dass die Schafhalter entschädigt werden usw., ich erspare Ihnen das alles. Ich glaube, die Balance, die wir gefunden haben und die auch der Bundesrat mit der Gesetzgebung gefunden hat, ist gut.
Ich möchte Ihnen einfach eines sagen: Wenn ich Wolfsgegner wäre, hätte ich diese Initiative nicht eingereicht, auch nicht als Kanton Wallis. Sie riskieren etwas. Sie sind wahrscheinlich auch darüber informiert, dass sich Tierschutzkreise - nicht radikale, sondern etablierte Tierschutzorganisationen - die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, eine Volksinitiative zum Schutz von Wildtieren zu lancieren. Sie wissen: Umfragen in der Schweiz zeigen, dass 76 Prozent der Bevölkerung den Wolf wollen. Sie können sich vorstellen, wie eine solche Volksinitiative ausgeht. Wenn wir eine solche Volksinitiative annehmen, sind Sie hier nicht mehr in der Lage zu schauen, dass wir eine vernünftige Balance finden. Dann ist die Frage entschieden.
Ich ersuche Sie, zugunsten der Schafhalter und der anderen betroffenen Personen einerseits, zugunsten der Wildtiere andererseits einen vernünftigen Ausgleich zu suchen und bei der jetzigen Gesetzgebung zu bleiben. Wir haben auch schon Vorstösse zugunsten des Schutzes des Wolfes unterstützt, die in eine vernünftige Richtung gehen. Aber diese Standesinitiative ist sehr radikal.
Deshalb ersuche ich Sie dringend, bei Ihrer Position zu bleiben und die Initiative abzulehnen.