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Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · 2017-12-11

Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · Zürich · CVP-Fraktion · 2017-12-11

Wortprotokoll

Das Gosteli-Archiv besteht aus einem Laufkilometer Akten, die wissenschaftlich erschlossen, konserviert und der Forschung und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Es geht dabei um Archive von Frauenorganisationen und Frauenverbänden einerseits sowie um persönliche Archive von Frauen andererseits. Zusammen dokumentieren die Archivalien das vielfältige Wirken der Schweizer Frauen seit dem späten 19. Jahrhundert. So erfahren Sie dort unter anderem, wie die Frauen für ein gerechtes Bürgerrecht kämpften, denn Schweizerinnen haben bis 1952 ihr Bürgerrecht verloren, wenn sie einen Ausländer geheiratet haben.

Da die Schweizer Frauen lange Zeit keine politischen Rechte besassen, kommt die Frauenbewegung in öffentlichen Archiven kaum bis gar nicht vor, was das Gosteli-Archiv einzigartig macht. Die staatlichen Archivare besassen keinen gesetzlichen Auftrag, Unterlagen zur Frauenbewegung zu sammeln. Diese historische Sammlung zu verlieren bedeutet somit zugleich, einen Teil der Identität der Schweiz zu verlieren.

Während die offizielle Schweizer Geschichte in staatlichen Archiven gesammelt und aufbewahrt wird, wurde die Geschichte der Frauen bislang privat finanziert. Das Archiv konnte lange durch Eigenfinanzierung, Spenden und Erbschaften von Marthe Gostelis Mitstreiterinnen alimentiert werden. Diese Frauen leben jedoch nicht mehr, und Spenden dieser Grössenordnung sind somit nicht mehr zu erwarten. Nun droht jedoch bereits kurze Zeit nach dem Ableben von Marthe Gosteli das Aus für dieses bedeutende Archiv. Nach 35 Jahren Tätigkeit der Stiftung im Dienste der Öffentlichkeit und der Forschung neigen sich die Eigenmittel dem Ende zu. Damit droht nicht nur das Erbe Marthe Gostelis, sondern auch das Erbe der Frauenbewegung verlorenzugehen. Denn das einzigartige Archiv kann nicht ersetzt werden.

Am 26. Juni dieses Jahres gab denn auch die Berner Kantonsregierung ihre grundsätzliche Bereitschaft bekannt, ihren Beitrag zum Erhalt des Gosteli-Archivs zu leisten. Im September dieses Jahres folgte ihr der Berner Grosse Rat einstimmig. Die Berner Kantonsregierung bringt jedoch zum Ausdruck, dass sie dieses Gewicht nicht alleine stemmen kann, und in der Folge suchen die Betreiber des Archivs denn auch nach weiterer Unterstützung. Gesucht wird eine Mehrsäulenfinanzierung, bei der die öffentliche Hand - beispielsweise der Kanton Bern und eben auch der Bund - eine subsidiäre, also untergeordnete Finanzierung bereitstellt. Kann keine Mehrsäulenfinanzierung erreicht werden, muss die Stiftung bereits in weniger als zwei Jahren liquidiert werden.

Marthe Gosteli hat sich bereits in den Neunzigerjahren um Bundesbeiträge bemüht. Der Bundesrat lehnte damals das Gesuch einzig mit der Begründung ab, dass die Stiftung über keine anderen öffentlichen Finanzierungsquellen für den [PAGE 2049] Betrieb des Gosteli-Archivs verfüge. Diese geforderte Subsidiarität hat die Stiftung mit dem Entscheid im Kanton Bern unterdessen erreicht.

Ich bitte Sie, der Empfehlung des Bundesrates zu folgen und unser gemeinsames Postulat anzunehmen.