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Kälin Irène · Nationalrat · 2018-02-26

Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2018-02-26

Wortprotokoll

Bereits bei Block 1 haben wir darüber diskutiert, wie schützenswert genetische Daten sein sollen - offenbar nicht so schützenswert wie nur möglich, wie die Abstimmungen gezeigt haben.

Nun kommen wir zu jenem Bereich der genetischen Untersuchungen, der wohl als der schützenswerteste überhaupt bezeichnet werden kann, zu den pränatalen Untersuchungen. Hier geht es nicht nur um die Frage des eigenen Lebens und der eigenen Gesundheit, sondern auch um die Gesundheit und die Krankheit eines ungeborenen Kindes und der es in sich tragenden Mutter. Es gilt hier also, nicht nur die werdende Mutter zu schützen, sondern auch das wachsende Leben in ihr und dabei möglichst keine Türen für moralische Dilemmas zu öffnen. Wir wollen nicht, dass nichtschwerwiegende Befunde dazu führen, dass ein Kind abgetrieben wird. Wir wollen aber, dass während der Schwangerschaft Untersuchungen gemacht werden können, damit ein Kind behandelt werden kann. Bei alldem wollen wir auch die werdende Mutter nicht nur gesundheitlich schützen, sondern sie zugleich auch davor bewahren, mittels Untersuchungsergebnissen vor Fragen gestellt zu werden, die sie nicht beantworten kann.

Bereits vermeintlich einfache pränatale Tests, welche das Risiko von Behinderungen eines Fötus aufzeigen, stellen uns heute vor kaum zu beantwortende Fragen. Was mache ich, wenn das Risiko für eine Fehlbildung des Fötus erhöht ist? Wer hilft mir dann bei der Entscheidung, ob ich es abtreiben soll oder nicht? Was hat es für Folgen für die Gesellschaft, wenn ich im Falle eines erhöhten Risikos für eine Fehlbildung eine Abtreibung vornehmen darf oder eben nicht? Sagen wir damit nicht implizit, dass Menschen mit einer Behinderung weniger wert sind als andere oder eben gleich viel? Dürfen wir aber umgekehrt von einer werdenden Mutter verlangen, ein Kind mit einem erhöhten Risiko für eine grosse Beeinträchtigung zu gebären und grosszuziehen, nur weil wir selber das für richtig halten?

Sie wissen, worauf ich hinauswill. Wir wissen alle, dass wir letztlich keine werdende Mutter und keinen werdenden Vater vor diesen schwierigen Fragen ganz schützen können. Je mehr im pränatalen Untersuchungsbereich möglich ist, desto mehr Leid kann verhindert werden, desto mehr Krankheiten können geheilt werden. Aber es kann auch Leid erzeugt werden. Hier behandeln wir den sensibelsten Bereich des Lebens und zugleich dieses Gesetzes und sollten deshalb in den Formulierungen so präzise wie möglich sein. Beratungen sollten zwingend erfolgen, und Testergebnisse sollen ausschliesslich von Ärztinnen und Ärzten mitgeteilt werden dürfen. Alles andere kann verheerende Folgen haben.

Ich bitte Sie deshalb im Namen der Grünen, bei den Artikeln 17, 21 und 26 den Minderheiten zu folgen. Dasselbe gilt für die Minderheiten bei den Artikeln 25 und 30 in diesem Block.