Leuthard Doris · Bundesrat · 2018-03-08
Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2018-03-08
Wortprotokoll
Eigentlich müsste mein Kollege Schneider-Ammann hier stehen, weil Ihre Frage ja generell auch mit der Alpwirtschaft zu tun hat. Ich glaube, wir sind uns alle einig: Dem Bundesrat ist es wichtig, dass unsere Alpen weiterhin bewirtschaftet werden, und wir wissen auch und anerkennen, dass das zum Teil sehr aufwendig und mit Kosten, mit Zeitaufwand verbunden ist. Es ist nicht immer sehr attraktiv, damit noch etwas zu verdienen. Darin sind wir uns einig.
Aber gerade deshalb hat der Bundesrat mit der Agrarpolitik 2014-2017 seit 2014 die Bestossung der Alpen mit Nutztieren stärker gefördert. Er hat die Sömmerungsbeiträge teilweise erhöht, und er hat einen Alpungsbeitrag ins System eingeführt. Wir wissen es: Gerade auch das Hochbringen der Nutztiere auf die Alp ist aufwendig, und deshalb hat man diese Direktzahlungen ergänzt.
Auch hier nochmals die Bemerkung zu den Zahlen: Für die Sömmerung von Schafen - das wäre ja dann der Link zu den Grossraubtieren - bekommt man für Schafe in ständiger Behirtung 400 Franken, für diejenigen auf Umtriebsweidesystemen bekommt man 320 Franken, und für diejenigen auf Standweidesystemen bekommt man 120 Franken pro Normalstoss, was etwa zehn Schafen entspricht. Auch damit bringt der Bundesrat, glaube ich, zum Ausdruck, dass er diese Alpwirtschaft unterstützt, gerade auch im Bereich von Kleinvieh, das durch Grossraubtiere bedroht werden kann.
Hier muss ich immer auf Folgendes hinweisen: Im Verlauf der ganzen Periode der Agrarpolitik 2014-2017 gab es pro Jahr rund 350 getötete Nutztiere. Es waren 350, und wir haben jedoch dieses Anreizsystem, diese Abgeltung. Der Tod eines Schafs tut einem Bauern wahrscheinlich jedes Mal weh, das kann ich gut nachvollziehen. Aber 350 ist trotzdem eine überschaubare Zahl, vor allem dann, wenn man sie einer anderen Zahl gegenüberstellt: 4000 bis 6000 Schafe starben in derselben Periode wegen natürlicher Ereignisse, wegen Blitzschlag oder Krankheit, oder sie stürzten ab.
Insofern tun wir so, glauben wir, unser Möglichstes, um mit Direktzahlungen die Alpwirtschaft zu stützen. Für den Herdenschutz werden den Landwirten pro Jahr 3 Millionen Franken bezahlt. Insofern ist es am Schluss wirklich auch, denke ich, mehr ein Problem des Strukturwandels als ein Problem des Wolfes.