Estermann Yvette · Nationalrat · 2018-06-04
Estermann Yvette · Nationalrat · Luzern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2018-06-04
Wortprotokoll
Als ich 1993 zum ersten Mal in die Schweiz, in das schöne Appenzellerland und ins Toggenburg, kam, sah ich zum ersten Mal auch die schönen braunen Kühe, die hier heimisch sind. Es hat mich so beeindruckt, dass wir einer Appenzeller Malerin den Auftrag gegeben haben, für uns den Aufzug mit den Kühen einfach zu malen. Das Bild hängt immer noch in unserem Haus.
Als ich vor einigen Jahren die erste hornlose Kuh dieser Rasse sah - das muss ich ehrlicherweise sagen -, habe ich zuerst nicht gewusst, was mit dieser Kuh nicht stimmt. Sie war irgendwie anders. Nachher habe ich bemerkt, dass sie keine Hörner hat. Also, man kann das so oder so werten. Für mich war das etwas speziell, weil ich immer noch der Meinung bin: Wenn wir für etwas das Beste wollen, dann sprechen wir von Natürlichkeit, von Ganzheit. Aber diese Ganzheit stimmt bei diesen enthornten Kühen einfach nicht. Wenn gewisse Bauern Angst haben und vielleicht auch schlechte Erfahrungen mit behornten Kühen gemacht haben und diese enthornen lassen - bitte schön, darin sind sie frei.
Ich bin der Meinung, dass wir diese Initiative unterstützen sollten, weil wir für uns immer das Beste wollen. Wir wollen natürlich essen, wir wollen unsere Nahrung auf natürliche Art und Weise produziert haben. Da bin ich auch dafür, dass die Kühe so bleiben können, wie sie sind, weil es von der Natur so gedacht war, dass sie Hörner haben.
Ja, jetzt ist die Sache mit dem Geld sehr kompliziert, das ist mir schon klar. Da im Ständerat keine Lösung möglich war, müssen wir uns halt jetzt mit der Frage beschäftigen: Initiative - ja oder nein? Wissen Sie, wir investieren im Ausland sehr viele Milliarden. Wir beherbergen bei uns bedrohte [PAGE 765] Menschen aus der ganzen Welt, und für diese Menschen sind wir auch bereit, in Milliardenhöhe zu investieren. Wir haben es gehört, die Bauern müssen diese Hörner abschleifen, damit sie nicht spitzig werden; die Kühe brauchen mehr Platz. Ich bin der Meinung, dass die eigenen Leute, die Bauern, die die Mehrarbeit und die Pflege dieser behornten Kühe auf sich nehmen, auch etwas mehr Geld für diesen Mehraufwand verdienen.
Wenn ich mich nicht ganz irre - aber es kann mich vielleicht jemand aus der Finanzkommission berichtigen -, sind das Armeebudget und das Landwirtschaftsbudget die Budgets jener zwei Bereiche, in denen die Ausgaben entweder stagniert haben oder in denen sogar weniger Geld zur Verfügung steht als in anderen Bereichen. Es ist wirklich nicht angebracht, immer wieder bei diesen zwei Bereichen zu sparen, also bei den eigenen Bauern, die auch für unsere Nahrung sorgen, und bei unserer eigenen Sicherheit. Deshalb bin ich dafür, dass wir diese Initiative zur Annahme empfehlen, und selbstverständlich unterstütze ich auch den Minderheitsantrag Rytz Regula.
Man kann von Solidarität sprechen. Man sagt immer, man sei solidarisch mit den anderen, mit denen, die Mehrarbeit auf sich nehmen. Ich möchte Sie dazu bewegen, dass Sie die Initiative zur Annahme empfehlen. Wissen Sie, ich möchte nicht, dass wir einmal unseren Kindern die behornten Kühe nur noch auf einem Bild mit einem Alpaufzug zeigen und ihnen sagen können: Schau mal, auf diesem Bild siehst du noch die Kühe mit den Hörnern. Diesen Zustand möchte ich nicht erleben.[GZ]
Deshalb: Empfehlen Sie bitte mit mir zusammen diese Initiative zur Annahme.