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Ehrler Melchior · Nationalrat · 2002-06-20

Ehrler Melchior · Nationalrat · Aargau · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-06-20

Wortprotokoll

Ich nehme zu den beiden Initiativen Stellung, und zwar aus der Sicht einer Region, die gelernt hat, mit Kernkraftwerken zu leben. Ich wohne weniger als zehn Kilometer von Beznau entfernt, bis Leibstadt werden es etwa 15 Kilometer sein. In der näheren Umgebung hat es weitere Institutionen, die mit Kernkraft im weiteren Sinn zu tun haben. Wir haben beispielsweise das Zwilag. Wir sind im Dorf an ein Fernwärmenetz eines KKW angeschlossen und bezahlen dafür wahrscheinlich mehr, als wenn wir zuhause mit Öl heizen würden - kurzum: Ich möchte die Sicht einer Region einbringen, die in den letzten Jahren gelernt hat, mit der Kernkraft zu leben.

Ein erster Punkt ist die Sicherheit. Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung in meiner Region fahrlässiger mit Sicherheitsfragen umgeht, als es anderswo der Fall ist. Ich bin davon überzeugt, dass Sicherheit auch bei uns eine sehr hohe Priorität hat. Ich erlebe es aber auch tagtäglich, dass gesagt wird: Wenn die Sicherheitsanforderungen erfüllt sind, soll man den Wirtschaftsfaktor weiter nutzen.

Ich möchte Ihnen ganz kurz darlegen, weshalb Kernkraft in unserer Region ein sehr wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist. Es geht bei uns zuerst einmal um die Arbeitsplätze. Ich nehme das Beispiel Leibstadt. Leibstadt hat über 400 Mitarbeiter. Die Kernkraftwerke geben Arbeit für sehr viele Zulieferbetriebe. Sie beziehen Dienstleistungen in normalen Zeiten und besonders auch dann, wenn es um die Revision geht - kurzum: Wir haben einen wirtschaftlichen Faktor, der für die Region sehr wichtig ist, der auch für die Gemeinden sehr wichtig ist.

Wir sind in unserer Region natürlich der Überzeugung, dass man dann, wenn es in der Frage der Sicherheit zu keinen Veränderungen, zu keinen neuen Einschätzungen kommt, diese Vorteile nicht preisgeben soll. Und wir sind auch der Überzeugung, dass das Ganze, wenn die Kernkraftwerke unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen länger laufen können, entsprechend wirtschaftlicher ist.

Ich ziehe die folgenden Schlussfolgerungen: Auch für uns ist klar, dass zuerst die Sicherheit kommt. Aber wenn die Sicherheitsanforderungen erfüllt sind, möchten wir das, was in der Region aufgebaut worden ist, auch tatsächlich nutzen. Wir möchten nicht, dass Ersatzlösungen gesucht werden und die wirtschaftlichen Vorteile dann nicht mehr bei uns, sondern anderswo sind. Wir möchten auch nicht auf Ersatzlösungen einschwenken, deren Potenzial eher klein ist. In einem Satz zusammengefasst: Wir möchten diesen wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region weiter nutzen.

Ich bitte Sie deshalb, die beiden Initiativen zur Ablehnung zu empfehlen.

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