Sommaruga Simonetta · Nationalrat · 2002-06-20
Sommaruga Simonetta · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-06-20
Wortprotokoll
Ich möchte Ihnen zuerst meine Verbindungen offen legen. Mich verbinden mit St. Gallen ebenso viele verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen wie mit Freiburg/Fribourg. Wenn ich mich heute für den Standort Freiburg einsetze, geschieht dies aus folgenden Gründen:
Wir entscheiden heute nicht nur über den Arbeitsplatz von über 200 Menschen, sondern auch darüber, ob ein grosser Teil dieser Menschen, aber auch ihre Partnerinnen und Partner und ihre Kinder den Wohnort wechseln, die Spiel- und Schulgefährten aufgeben, einen neuen Job suchen und das familiäre Umfeld neu organisieren müssen. Denn es geht heute nicht darum, einen Standort für eine neue Institution festzulegen. Es geht um die Verlegung von bestehenden Strukturen bzw. eben nicht Strukturen, sondern von Menschen, und zwar von Hunderten von Frauen, Männern und Kindern.
Natürlich haben schon viele Menschen ihren Wohnort aufgrund von Veränderungen am Arbeitsplatz wechseln müssen, und dies unter schwierigeren Bedingungen. Für jene, die ihre Arbeit an einem anderen Ort wieder aufnehmen können, sind solche Wechsel oft noch am ehesten verkraftbar.
Doch mir geht es auch um die Partnerinnen. Es sind meistens die Frauen, die mitziehen und sich völlig neu organisieren müssen. Deshalb möchte ich solche Situationen wenn immer möglich verhindern. Für den Standort Fribourg spricht aber noch etwas anderes, das mir am Herzen liegt. Wir sprechen viel von Zusammenhalt in diesem Land. Eine der besten Möglichkeiten, diesen Zusammenhalt zu leben und zu fördern, ist, wenn die verschiedenen Kulturen und Sprachen sich täglich begegnen. Die zweisprachige Stadt Freiburg und der zweisprachige Kanton Fribourg bieten dazu eine hervorragende Möglichkeit.
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen aus der Ostschweiz, ich weiss, dass diese Argumente nicht gegen St. Gallen sprechen, sondern für Freiburg/Fribourg.