Slongo Marianne · Ständerat · 2002-06-19
Slongo Marianne · Ständerat · Nidwalden · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-06-19
Wortprotokoll
Bildung und Wissen sind zentrale wirtschaftliche Erfolgsfaktoren. Der Trend zur Globalwirtschaft, die Dynamik des technologischen Fortschrittes, der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Kommunikationsgesellschaft verstärken dieses Gewicht. Das zur Diskussion stehende neue Gesetz beinhaltet ein solides, modern konzipiertes Bildungsfundament für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und unseren Staat. Der Präsident hat es erwähnt: Gut zwei Drittel unserer Jugendlichen treten nach der obligatorischen Schulzeit in eine Berufslehre ein. Das duale Berufsbildungssystem, die gleichzeitige Ausbildung in Lehrbetrieb und Berufsfachschule, bleibt ein starkes, schweizerisches und bewährtes Fundament für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Es bringt gut qualifizierte Berufsleute hervor. Diese bedarfsorientierte, praxisnahe Ausbildung ist mit ein Grund für die vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit in unserem Land. Das ganzheitliche Lernen in Schule und Betrieb und insbesondere der unmittelbare Bezug zum Arbeitsmarkt sind tragende Pfeiler des vorliegenden Rahmengesetzes.
Dieses Gesetz basiert auf der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen allen betroffenen Instanzen der Berufsbildung. Es regelt die Rahmenbedingungen für die Gewährleistung von Qualität und Innovationsfähigkeit hinsichtlich der beruflichen Bildung: Die Organisationen der Arbeitswelt müssen gemeinsam mit dem zuständigen Bundesamt die notwendigen Details regeln; für die konkrete Umsetzung sind, nach bewährter Manier, die Kantone verantwortlich. Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht zudem andere Wege, neue Formen und Methoden sowie - für mich sehr wichtig - die flexible Durchlässigkeit im Berufsbildungsbereich. Es nimmt auch Rücksicht auf die gewachsenen und gelebten Strukturen in allen Landesteilen sowie auf neue Berufsbilder.
Kernpunkt der beruflichen Ausbildung muss die Ausbildung in den Betrieben bleiben, wie sie vor allem in der deutschen Schweiz noch vorherrschend ist. Der Bund, die Kantone und die Berufsverbände entwickeln die Berufsbildung partnerschaftlich weiter. Ich verkenne nicht, dass diesbezügliche Problembereiche und Herausforderungen auf der Stufe Verordnung gelöst werden müssen. Das ist der Preis für den Verzicht auf die Festlegung von zahlreichen Details im Gesetzestext. Auch die im Gesetz verankerte Verbundaufgabe aller Partner muss vertieft und schliesslich gelebt werden.
Ferner erwarte ich, dass die Ausbildung von Lehrlingen für Betriebe finanziell und administrativ tragbar bleibt. Es ist zudem auch klar, dass die Berufsbildung private Anbietende braucht, um einen gesunden und leistungsfördernden Wettbewerb in der Berufs- und Weiterbildung zu erhalten. Insbesondere im Weiterbildungsbereich sollen diese privaten Anbieter ihre Interessen im Bildungsmarkt weiterhin wahren können.
Ich bin für Eintreten und unterstütze diese Totalrevision und dieses zukunftsweisende Rahmengesetz im Berufsbildungsbereich.