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Kutter Philipp · Nationalrat · 2019-06-05

Kutter Philipp · Nationalrat · Zürich · CVP-Fraktion · 2019-06-05

Wortprotokoll

Kleine Kinder lernen spielend, und sie lernen vor allem spielend leicht. Wer abends mit seiner Tochter ein Bilderbuch anschaut, hilft ihr nicht nur beim Einschlafen, sondern unterstützt damit auch ihren Spracherwerb. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Eher neu ist allerdings die Erkenntnis, dass nicht nur die Eltern, sondern auch wir als Gesellschaft und als Volkswirtschaft ein Interesse an der guten Entwicklung der Kinder im Vorschulalter haben.

Ja, frühe Förderung lohnt sich. Sie lohnt sich vor allem, wenn diese zarten Pflänzchen zu Hause zu wenig Wasser erhalten. Mit früher Förderung können Defizite frühzeitig erkannt werden. Damit können wir die Startchancen der Kinder in der Volksschule und die gesellschaftliche Integration verbessern. Frühe Förderung oder, um einen moderneren Begriff zu verwenden, "frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung" ist heute ein breit getragenes bildungs- und sozialpolitisches Anliegen.

Die WBK-NR hat sich in den vergangenen Monaten gleich mehrfach damit beschäftigt: Da war erstens die parlamentarische Initiative Aebischer Matthias 17.412, die inzwischen in Umsetzung ist. Sie ist ein erster Schritt und wird dazu beitragen, dass die Kantone ihre Angebote weiterentwickeln.

Zweitens hat sich der Schweizerische Wissenschaftsrat des Bundes zu Wort gemeldet. Er sieht die soziale Selektivität als grosse Herausforderung für unsere Gesellschaft. Das hat mich schon etwas nachdenklich gemacht, denn eigentlich war ich der Meinung, dass ein junger Mensch in der Schweiz alles erreichen kann, wenn er sich anstrengt, und zwar egal, aus welchem Umfeld sie oder er stammt. Offensichtlich ist das falsch, offenbar beeinflusst die soziale Herkunft noch immer stark die Zukunft eines Kindes. Das müsste allen zu denken geben, die dem Slogan "Leistung muss sich lohnen" folgen. Der Wissenschaftsrat empfiehlt deshalb eine strategische Unterstützung der frühkindlichen Förderung sowie gezielte Sprachförderung.

Zu Wort gemeldet hat sich auch die schweizerische Unesco-Kommission. Sie sieht Handlungsbedarf im Bereich Angebote der frühen Förderung, in der Koordination, in der Qualität und in der Finanzierung. Es gebe zwar Angebote, sagt sie, aber sie seien sehr unterschiedlich ausgestaltet, unterschiedlich in der Qualität und in der Finanzierung.

Zusammenfassend kann man festhalten: Frühe Förderung findet statt, sie lohnt sich auch. Doch es gibt noch viel zu tun, damit alle Kinder in der Schweiz die gleichen Startchancen haben. Aus diesem Grund hat Ihre WBK das vorliegende Postulat eingereicht. Damit wollen wir endlich einen echten Schritt weiterkommen.

Wir verlangen vom Bundesrat eine Strategie zur Stärkung und Weiterentwicklung der frühkindlichen Förderung. Er soll Defizite benennen und aufzeigen, wie sie behoben werden sollen. Wir müssen auch die Rollen klären. Kantone, Gemeinden und Private machen schon einiges. Es stellt sich die Frage: Wie kann der Bund hier einen Beitrag leisten?

Wir müssen auch Schnittstellen klären. Geht es nur um Bildung? Persönlich würde ich den Gesundheitsbereich, sprich Kinderärzte und andere Gesundheitsfachleute, in die Strategie einbeziehen. Schliesslich müssen wir darauf achten, dass wir die frühe Förderung sauber an andere staatliche Handlungsfelder anknüpfen, so etwa an die ausserschulische Kinder- und Jugendförderung. So weit äussere ich mich zur Haltung der Mehrheit.

Ich habe mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass der Bundesrat unser Postulat ebenfalls unterstützt. Eine Minderheit der Kommission hält dem entgegen, es sei nicht nötig und nicht sinnvoll, dass sich der Bund hier zusätzlich engagiere, denn es gebe schon ausreichend Förderangebote von Kantonen, Gemeinden und Privaten.

Im Namen der Mehrheit Ihrer WBK beantrage ich Ihnen, das Postulat anzunehmen. [PAGE 891]

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