Gmür Alois · Nationalrat · 2019-06-20
Gmür Alois · Nationalrat · Schwyz · CVP-Fraktion · 2019-06-20
Wortprotokoll
Als Bierbrauer beschäftige ich mich mehr mit Bier als mit Wasser. Wasser ist aber neben Hopfen und Malz der wichtigste Rohstoff, damit gutes Bier hergestellt werden kann. Die Volksinitiative "für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" und die Volksinitiative "für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung - Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz" betreffen mich, meine Familienbrauerei und die gesamte Bierbranche in mehrfacher Hinsicht.
Das Wasser beziehen wir von der Wasserversorgung vor Ort. 95 Prozent der anderen Rohstoffe kommen aus Deutschland, weil es in der Schweiz keine solchen gibt. Wir wollen natürlich möglichst sauberes Wasser, und wir wollen möglichst Hopfen und Malz, die wenig mit Pestiziden belastet sind. Alles, was an Chemie in diesen Rohstoffen drin ist, ist nachher auch im Bier. Alle Schweizer Brauereien messen diese Stoffe regelmässig. Bis jetzt sind die behördlich vorgegebenen Grenzwerte immer mehr als eingehalten worden.
Das Problem der Gewässerbelastung und der Belastung von gewissen Agrarprodukten besteht. Handlungsbedarf ist gegeben. Vieles ist schon eingeleitet worden und in der Umsetzung. Mehr Tempo in der Umsetzung wäre wünschenswert, so zum Beispiel bei der Ausscheidung von Gewässerschutzzonen, wo aktuell grosse Unterschiede zwischen den Kantonen bestehen. Alle Hersteller und Verarbeiter von Agrarprodukten sowie der Handel sind daran interessiert, Produkte herzustellen respektive zu verkaufen, die gar nicht oder möglichst wenig mit diesen Stoffen belastet sind.
Je nach Wetter und Naturereignissen müssen Ernten gerettet und allenfalls wie der Mensch medikamentös behandelt werden. Krankheiten, in meinem Fall beim Gerstenkorn oder beim Hopfen, müssen abgewendet und Schädlinge bekämpft werden können. Es gilt beim Einsatz von solchen Mitteln der Grundsatz "so wenig wie möglich, so viel wie nötig".
Die Initiative zu den Pestiziden verlangt zusätzlich ein Importverbot von Produkten, die mit solchen Mitteln behandelt worden sind. Ich beurteile dies als höchst problematisch und unrealistisch. Ich frage mich: Ist es im Ausland kontrollierbar, ob solche Mittel eingesetzt werden oder nicht? Sollte dies durchgesetzt werden, würden die Preise solcher Rohstoffe massiv steigen. Mein Betrieb stellt auch Biobiere in Knospen-Qualität her. Wir haben momentan grösste Probleme, überhaupt Biorohstoffe zu bekommen, und wenn wir sie erhalten, dann zu 40 Prozent höheren Preisen als normal angebaute Ware.
Es könnte also durchaus sein, dass je nach Wetterjahr bei solchen rigorosen gesetzlichen Vorschriften die Nachfrage nach Lebens- und Genussmitteln nicht mehr gedeckt werden kann und die Lebensmittelversorgungssicherheit nicht mehr gegeben ist. Sicher ist eine massive Verteuerung der Produkte vorhersehbar. Mit höheren Preisen droht meiner Branche weiteres Unheil. Die Schweiz wird für Touristen noch teurer als jetzt, was die touristische Attraktivität in unserem Land massiv einschränkt und mit Umsatzeinbussen verbunden ist.
Die zwei Initiativen sind abzulehnen. Sie sind weltfremd, übertrieben und nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für die gesamte Wirtschaft höchst problematisch.
Der Bundesrat hat im Zusammenhang mit der Agrarpolitik 2022 plus und dem Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel zu den bisherigen noch neue Vorgaben angekündigt. Einen Gegenvorschlag braucht es deshalb nicht, das wäre ein Gesetz zu viel und eine Übersteuerung des Problems. Ich vertraue auf die Ankündigungen des Bundesrates und glaube, dass er durchsetzen wird, was er sagt. Auch das Parlament sollte sich bei der Bekämpfung von Unkraut, Krankheiten und Schädlingen bei Pflanzen an den Leitspruch "so wenig wie möglich, so viel wie nötig" halten.