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Pardini Corrado · Nationalrat · 2019-09-11

Pardini Corrado · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

Die Debatte heute ist für mich eine Debatte rund um die Frage, in welcher Schweiz wir leben wollen. Es ist eine gesellschaftspolitische Debatte, und sie zeigt zwei mögliche Entwicklungen.

Auf der einen Seite haben wir die Entwicklung der Nationalkonservativen in diesem Saal, die ein Rollenbild zementieren wollen, in dem der Mann arbeitet und die Frau am Herd ist. Es ist eine Gesellschaft, die es akzeptiert, dass die Frau strukturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich benachteiligt ist; eine Schweiz, in der man, wenn man von Familie spricht, es bei Lippenbekenntnissen belässt und die Frage der Betreuung dem Zufall überlässt; eine Schweiz, die ein Familienbild zementieren will, das überholt ist, das praktisch überall der Vergangenheit angehört.

Auf der anderen Seite haben wir eine Schweiz, die davon ausgeht, dass Mann und Frau in der Gesellschaft und in der Wirtschaft gleichberechtigt sind, dass überall, wo die Frau strukturell benachteiligt ist, die Politik eingreifen muss und dass sie jegliche Diskriminierung und Schlechterstellung der Frau eliminieren muss. Es ist eine Schweiz, in der die Frau gleichberechtigte Partnerin in einer Gemeinschaft ist, in der sich beide, Partnerin und Partner, um das Wohlergehen der Kinder kümmern. Es ist eine Schweiz mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten in der Familie, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz.

Das ist die Zukunft der Schweiz, und wir debattieren hier heute um mickrige 2 Wochen Vaterschaftsurlaub. Ein Vorredner hat es gesagt: Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Mickrige 2 Wochen Vaterschaftsurlaub! Die einzige Kritik, die man machen könnte, ist, dass genau dieser Elternurlaub, den wir anstreben, eigentlich durch diese 2 Wochen torpediert wird, weil diese 2 Wochen das Rollenbild, das die Nationalkonservativen predigen, zementieren.

Die SP will 14 Wochen für die Frauen, 14 Wochen für die Männer und 10 Wochen, die sich die Partnerinnen und Partner aufteilen können. Das ist eine Schweiz, die die Familie, die Kinder und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und nicht eine Schweiz, die die Rüstung und das Abzocken in den Mittelpunkt stellt.

Kollege Glättli hat es gesagt: Heute entscheiden wir, ob wir in die Familien, in die Menschen investieren, wie das die SP will, in Partnerschaft, in Gleichberechtigung und die Eliminierung der strukturellen Benachteiligung der Frauen oder in eine Schweiz, die rückständig ist, die lieber in Rüstung investiert, die lieber noch das Bankgeheimnis verteidigen würde, eine Schweiz, die am Schwanz der progressiven Länder dieser Welt ist. Ich bin froh, dass wir heute einen kleinen, minimalen Schritt in Richtung unserer Schweiz machen.