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Villiger Kaspar · Bundesrat · 2002-09-24

Villiger Kaspar · Bundesrat · Luzern · 2002-09-24

Wortprotokoll

Ich höre dieser Diskussion mit einem gewissen Schmunzeln zu. Auch bei Managerlöhnen geht es letztlich natürlich um Angebot und Nachfrage. Für einen Bundesratslohn hat man bis jetzt immer genügend Bundesrätinnen und Bundesräte gefunden. Aber ich bin nicht sicher, ob Sie für diesen Lohn genügend Manager für Unternehmen mit Milliardenumsätzen finden. Das ist eine Erfahrung, die man halt macht. Ich habe es gesagt: Es gibt bezüglich der Motivation noch Dinge, die nicht an Löhne gebunden sind. Es gibt aber im Management auch irgendwo ein Minimum, unter dem Sie gute Leute eben nicht mehr finden.

Aber ich muss Ihnen sagen: Nachdem ich Ihnen jetzt zugehört habe, wird für mich immer klarer, dass Sie keine Eckwerte setzen sollten. Schon das ist ein Streit: Was ist ein Eckwert? Am Anfang, beim Eintreten, hatte ich das Gefühl, viele verstünden unter einem Eckwert keinen Wert. Aber jetzt redet man von Löhnen und vom Gehalt eines Bundesrates und davon, dass man eine Grenze setzen müsse. Also sind es doch Werte.

Ich muss Ihnen dringend empfehlen, dem Bundesrat nicht den Auftrag zu geben, Werte zu definieren. Wozu führt das? Das führt dazu, dass der Bundesrat am Schluss die Löhne festlegt. Warum? Wenn der Bundesrat einen hohen Eckwert festlegt, dann wird der Verwaltungsrat sagen: Das ist genehmigt, das ist zulässig, ich kann an diese Grenze gehen. Wenn er einen tiefen Eckwert festlegt, wird man die guten Leute nicht mehr kriegen. Dieses Korsett dürfen Sie nicht vorgeben.

Das ist genau so, wie wenn Sie unter Eckwerten z. B. eine Zahl für die Lohnschere verstehen. Ich verstehe, dass man sich über die Lohnschere aufregen kann. Aber wenn wir eine Lohnschere vorgeben und deswegen keinen Manager bekommen, dann können wir ja nicht die Löhne des gesamten Personals anheben, damit der Managerlohn innerhalb der Schere zu liegen kommt. Das sind Dinge, die lebensfremd sind. Der Markt entwickelt sich rascher als solche Werte.

Das ist der Grund dafür, dass wir klare Kriterien festsetzen müssen, die dann auch in einem Controlling überprüft werden können. Es geht dabei um Kriterien zum Prozess der Lohnfindung, zur Gestaltung der Boni usw. Bei den Boni könnte ich mir allenfalls etwas Quantitatives noch irgendwie vorstellen.

Aber jetzt noch einmal: Vergessen Sie nicht, dass es hier um Unternehmen geht, die Milliardenumsätze machen. Bei solchen Unternehmen in der Privatwirtschaft verdienen die Manager ein Mehrfaches dessen, was sie bei den bundesnahen Betrieben verdienen.

Ich habe mich seinerzeit über die Löhne bei den SBB auch etwas aufgehalten. Aber ich habe lange diskutiert, auch mit [PAGE 1360] dem Verwaltungsratspräsidenten, und muss Ihnen sagen: Weil die Schweizer Bahnen gut geführt sind, hat es eine Phase gegeben - ich weiss nicht, wie es zurzeit ist -, in der ausländische Bahnunternehmen ganz gezielt beste Fachleute der SBB für unendlich viel höhere Löhne abwerben wollten. Gegen solche Offerten haben Sie kein Mittel, nicht wahr! Es gibt irgendwo einen Punkt, wo dann die Offerte des andern nicht mehr ausgeschlagen werden kann, wenn die Differenz gross genug ist. Das war der Grund, weshalb die SBB etwas machen mussten. Ich habe mich dann auch davon überzeugen lassen, dass das nicht so weit neben dem Markt ist, obwohl ich am Anfang vielleicht auch ähnlich reagiert habe wie viele von Ihnen.

So gesehen möchte ich Sie bitten, der Minderheit Engelberger zuzustimmen. Es wäre falsch, hier ein Korsett zu machen, das dann auch sofort als Alibi genommen wird, um immer an die obere Grenze zu gehen. Hier muss der Markt eine gewisse Flexibilität zulassen, und in diesem Sinne empfehle ich Ihnen, der Minderheit Engelberger zuzustimmen.