Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · 2019-09-26
Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · Zürich · CVP-Fraktion · 2019-09-26
Wortprotokoll
Kinder sind die Zukunft! Von links bis rechts werden Sie mir da sicher beipflichten. Es wird kaum bestritten, dass die Förderung in der frühen Kindheit wichtig ist. Dazu gehören die altersgerechte Unterstützung des kindlichen Lernens, des Entdeckens, der Kontakt mit anderen Kindern, die Unterstützung der Eltern sowie eine gesunde und sichere Umgebung.
Im Bereich frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung gibt es in der Schweiz aber Handlungsbedarf. Es besteht Handlungsbedarf, weil Familie und Beruf in vielen Fällen noch nicht vereinbar sind. Damit geht dem Land wertvolles Potenzial an Arbeitskraft verloren. Familienexterne Betreuungsangebote sowie eine deutliche finanzielle Entlastung der Eltern ermöglichen Müttern mit niedrigem Qualifikationsniveau eine Ausbildung oder Erwerbstätigkeit. Es besteht Handlungsbedarf, weil viele Kinder, die in den Kindergarten kommen, kein Wort Deutsch oder Französisch sprechen. Die Sprache ist für den späteren schulischen Erfolg und für die Vermeidung von sozialen Folgekosten massgebend.
Es ist festzuhalten, dass von den in Mathematik leistungsstarken Erstklässlerinnen und Erstklässlern 2014 im Kanton Zürich rund ein Drittel aus eher privilegierten Familien stammte. Umgekehrt haben knapp zwei Drittel der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler einen Hintergrund, der von sozialer Benachteiligung geprägt ist. Es braucht eine geeignete Strategie im Bereich der frühen Förderung. Diese soll wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich umgesetzt werden können.
Mit meiner parlamentarischen Initiative fordere ich konkrete Massnahmen in folgenden Bereichen: Die pädagogische Qualität, die Situation bei den Betreuungsangeboten und die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten müssen dringend verbessert werden. Ein Beispiel: Im Kanton Zürich fehlt es in knapp der Hälfte der Kitas an qualifiziertem Personal. Die Fluktuation ist sehr hoch, und die Löhne sind sehr niedrig. Die Arbeitsbedingungen und -vorgaben sind zum Teil unglaublich schlecht. Studien zeigen, dass die Kinder durch Fachpersonen zu wenig beim Erlangen altersgerechter Kompetenzen unterstützt werden. Das benachteiligt die betreuten Kinder.
Die frühe Förderung muss als Präventions- und Integrationsmassnahme angesehen werden. Kosten im Sozial-, im Gesundheits- oder im Strafwesen können damit längerfristig reduziert werden. Kinder mit besserer Bildung sind statistisch gesehen später seltener auf Sozialhilfe angewiesen, haben einen gesünderen Lebensstil, werden weniger häufig straffällig. Kinder aus sozial benachteiligten Familien und aus Familien mit Migrationshintergrund können von solchen Massnahmen besonders profitieren: Die heutigen Berufschancen von Eltern und die späteren Berufschancen der Kinder werden verbessert. Der Vererbung der Armut wird Einhalt geboten, und fremdsprachige Kinder werden früh integriert.
Eine grosse Anzahl an Akteuren muss in der frühkindlichen Förderung an einem Strang ziehen. Diese betrifft die Gesundheitspolitik, die Sozialpolitik, die Integrationspolitik, aber auch die Steuerpolitik oder die Raumplanungspolitik. Die Situation ist je nach Kanton sehr unterschiedlich und gleicht mit einigen Ausnahmen - entschuldigen Sie meine Worte - einem Flickwerk. Der Austausch zwischen privaten und öffentlichen Institutionen auf den verschiedenen Ebenen und überregional muss deshalb aktiv gefördert werden. Dies sollte natürlich wissenschaftlich auf einem hohen Niveau sein und begleitet werden. Schliesslich ist es wichtig, dass bei allen Massnahmen das Subsidiaritätsprinzip respektiert wird und alle Akteure die Zusammenarbeit miteinander gestalten.
Ich bitte Sie, in unsere Zukunft, in die Kinder zu investieren und eine Politik zugunsten der frühen Kindheit in Angriff zu nehmen.