Lexipedia

Engler Stefan · Ständerat · 2019-12-04

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2019-12-04

Wortprotokoll

Mit meinem Postulat bitte ich den Bundesrat aufzuarbeiten, unter welchen Voraussetzungen sich der Bund an der Erstellung und am Betrieb von drei bis vier Wintersportzentren beteiligen würde. Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ich kann mich deshalb bei der Begründung kurzfassen.

Der Bundesrat hatte uns vor rund fünf Jahren mit der Idee eines nationalen Schneesportzentrums, vom Bund erstellt und betrieben, ähnlich wie für die Sommersportarten in Tenero oder Magglingen, ein Ei ins Nest gelegt, welches er in der Folge aber nicht auszubrüten bereit war. Von den Hühnern wissen wir, dass die Eier etwa drei Wochen bebrütet werden müssen, damit daraus etwas wird. Im Falle dieses Eis gehe ich davon aus, dass der Bruterfolg stark infrage gestellt ist, zumal der Brutkasten stark unterkühlt ist. Der Bundesrat selber hatte nämlich im Jahre 2016 bekannt gegeben, dieses Projekt nicht weiterzuverfolgen und aufgrund der ungünstigen Haushaltsperspektiven die Planung eines nationalen Schneesportzentrums bis zum Jahre 2023 zu sistieren. Oder im Jargon des VBS: Die Idee des nationalen Schneesportzentrums ist ein Rohrkrepierer, weil dafür auch kaum Akzeptanz mehr zu gewinnen ist.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen stellt sich die Frage, ob es immer noch ein Bedürfnis dafür gibt, im Land den Wintersport zu propagieren. Ich bin klar der Auffassung, dass dem so ist und dass es ein Alternativkonzept zu dem Konzept eines nationalen Schneesportzentrums braucht. Wir möchten den Kindern und Jugendlichen in der Schweiz als Land der Berge den Wintersport näherbringen, und dafür braucht es geeignete Infrastrukturen. Im Unterschied zum ursprünglichen Konzept des Bundesrates, welches ein national erstelltes und betriebenes Schneesportzentrum vorsah, möchte das Postulat - das im Übrigen von meinen Kolleginnen und Kollegen aus den Gebirgskantonen mitgetragen wurde - eine Alternative vorschlagen, nämlich ein Konzept, das stärker dezentral ist und vor allem auch das Prinzip der Subsidiarität beachtet. Subsidiarität bedeutet, dass lokale Trägerschaften dafür verantwortlich sind, dass ein solches Zentrum erstellt und betrieben wird. Der Bundesrat soll aber der Sport- und Jugendförderung im Rahmen seiner Möglichkeiten Unterstützung geben.

Vielleicht erinnern Sie sich, im Jahr 2013/14 wurde eine umfassende Evaluation eines geeigneten Standorts für ein nationales Schneesportzentrum durchgeführt. Das hat ganz viele Regionen dazu animiert, ganz viel Geld in den Sand zu setzen, um die Grundlagen für diese Evaluation zu erarbeiten. Aus dieser Evaluation ging Lenzerheide als der - auf die gesamte Schweiz bezogen - günstigste Standort für ein nationales Schneesportzentrum hervor.

Mit der neuen angedachten Alternative würden wir drei oder vier solche Möglichkeiten in der Schweiz schaffen, die regional aufeinander abgestimmt sind und gewisse Voraussetzungen erfüllen müssten, damit der Bund die Erstellung und den Betrieb unterstützen könnte. Ganz bewusst möchten wir nicht ein Modell gemäss den Sportzentren Magglingen und Tenero verfolgen, wonach der Bund selber erstellt oder betreibt. Wir möchten unter Beachtung der Subsidiarität vielmehr die lokalen Träger wie auch die Kantone mit einbeziehen. Der Bund hätte dafür eine flankierende, aber wichtige Unterstützung zu leisten. Wir möchten vor allem für die Kinder aus dem Flachland die entsprechenden Möglichkeiten schaffen und den Schneesport als sportliche Betätigung im Winter erhalten.

Wenn Sie mich fragen, welche Voraussetzungen ein solches Wintersportzentrum erfüllen müsste, so sind es die folgenden: Ein solches Angebot müsste letztlich die Bereitstellung eines ganzen Dienstleistungspakets zu erschwinglichen Preisen für Reise, Unterkunft, Verpflegung, Sportmaterial und Benutzung der Sportanlagen ermöglichen. Von den Ansprüchen her ist es also durchaus wieder vergleichbar mit dem Nationalen Jugendsportzentrum Tenero, das es vielen Jugendlichen und Kindern aus der ganzen Schweiz ermöglicht, dort mehrere Wochen im Sommer oder auch im Herbst in einem Lager zu verbringen und mit den verschiedenen Sportarten in Kontakt zu kommen. Im Vordergrund stehen also Kinder und Jugendliche. Es geht um Aus- und Weiterbildung, auch im "Jugend und Sport"-Bereich, und falls sich das dann auch noch ergänzen lässt, soll selbstverständlich auch der Leistungssport davon profitieren können.

Mit dem Postulat möchten wir also den Bundesrat bitten, dieses Alternativkonzept vertiefter zu überprüfen, auch die entsprechenden Bedingungen zu definieren, die erfüllt werden müssten, damit der Bund eine solche Infrastruktur und einen solchen Betrieb auch unterstützen würde. Ich möchte nicht bis zum Jahre 2023 darauf warten, zumal in verschiedenen Landesregionen solche Zentren geprüft werden und man zu Recht auch auf eine Unterstützung des Bundes wartet. Deshalb ist es mein Anliegen, dass das Postulat im Verlaufe des nächsten Jahres auch beantwortet wird, damit wir beurteilen können, ob es zusätzliche gesetzliche Grundlagen braucht oder ob wir das über das Budget schaffen können.