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Bircher Martina · Nationalrat · 2019-12-16

Bircher Martina · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-12-16

Wortprotokoll

Die Pflegerinnen und Pfleger in der Schweiz leisten täglich einen enormen Einsatz zu unser aller Wohl und verdienen unseren Respekt. Aber, geschätzte Pflegefachleute, um diesen Respekt, diese Wertschätzung und Anerkennung in unserer Gesellschaft zu erhalten, ist eine Verankerung in unserer Verfassung der falsche Weg. Was auf den ersten Blick plausibel tönt - schliesslich wollen wir alle eine starke und sichere Pflege -, geht bei genauer Betrachtung in die falsche Richtung. [PAGE 2288]

So will die Initiative eine einzige Berufsgruppe in die Verfassung aufnehmen und gegenüber allen anderen privilegieren. Ich kann Ihnen versichern: Wenn wir das tun, dann kommt morgen die nächste Berufsgruppe und übermorgen wieder eine hinzu. Denn seien wir ehrlich: Jede Berufsgruppe nimmt für sich in Anspruch, unersetzlich zu sein und das Beste für die Gesellschaft zu machen.

Weiter sollen in der Verfassung anforderungsgerechte Arbeitsbedingungen implementiert werden. Aber auch hier ist es so - seien wir ehrlich zu uns selber -: Spitäler, Heime und Spitex-Organisationen buhlen schon heute um Fachkräfte, es bleibt ihnen also gar nichts anderes übrig, als gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Daher haben beispielsweise heute Spitäler und Pflegeheime eigene Kitas, und dies alles ohne Vorgaben und Zwang durch den Bund.

Was mich aber am meisten erstaunt, ist die reine Fokussierung auf die Diplompflege. Einmal mehr versucht man, die Pflege zu akademisieren, was zu höheren Kosten, aber nicht automatisch zu einer besseren Qualität führt. Eine pflegebedürftige Person schätzt jemanden, der empathisch ist, mitfühlend und einfühlsam. Ich denke kaum, dass eine bettlägerige neunzigjährige Dame nach dem Master- oder Bachelor-Abschluss fragt. Ausserdem erinnere ich Sie daran, dass wir hier im Bundesparlament der Integrationsagenda zugestimmt haben. So versuchen momentan die Gemeinden schweizweit, viele Flüchtlinge zu integrieren, gerade in die Pflegeberufe. Da ist es ein purer Gegensatz, dass hier gleichzeitig verakademisiert werden soll.

Daher bitte ich Sie, die Volksinitiative zur Ablehnung zu empfehlen und den indirekten Gegenvorschlag abzulehnen.