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Aebischer Matthias · Nationalrat · 2020-06-18

Aebischer Matthias · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-06-18

Wortprotokoll

Es gibt Kinder, die spielen mit anderen Kindern draussen, gehen mit den Eltern wandern, schliessen eine Lehre ab und bilden sich später weiter. Dann gibt es Kinder, die sitzen primär vor dem Fernseher, tragen beim Kindergarteneintritt noch Windeln, brechen die Lehre ab und sind später von der Sozialhilfe abhängig. Bei dieser Initiative heute geht es um die zweite Gruppe von Kindern. Die Initiative trägt die Nummer 17.412; das zeigt, dass sie schon lange unterwegs ist, seit mehr als drei Jahren. Jetzt liegt das Resultat auf dem Tisch Ich begrüsse das Resultat.

Vor gut drei Jahren war es, als ich an einer Unesco-Konferenz über frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung teilgenommen habe. Die Diskussion drehte sich um die Frage, warum die Schweiz so spät mit der frühkindlichen Bildung und Betreuung anfange. Die Antwort steht im Kinder- und Jugendförderungsgesetz. Dort steht in Artikel 4 Buchstabe a, dass zur Zielgruppe erst Kinder ab dem Kindergartenalter gehören. Das ist in keinem Land rund um uns herum so. Ich finde, es ist höchste Zeit, dass wir einen Schritt vorwärts machen, und das aus drei Gründen: Erstens haben wir noch im letzten Jahrtausend die Kinderrechtskonvention der UNO unterschrieben, und dort steht klar, dass Kinder ab Geburt gefördert werden sollen. Zweitens ist aus Sicht der Neurowissenschaft die Bedeutung der frühen Kindheit extrem gross; viel Versäumtes kann später kaum mehr aufgeholt werden. Drittens ist es auch eine Kostenfrage: Je früher wir negative Tendenzen ausmerzen können, desto weniger kostet das Ganze.

Man muss keinen pädagogischen Hintergrund haben, um zu wissen, dass die ersten Jahre nach der Geburt die entscheidendsten sind. Wir haben in der WBK-N verschiedene Studien konsultiert. Nora Maria Raschle, eine Ärztin von der Universität Basel, erläuterte zum Beispiel den Zusammenhang zwischen widrigen Lebensumständen in der frühen Kindheit und der Entwicklung des Gehirns. Es ist bewiesen, dass Bindungsqualität, Beziehungen und das direkte Umfeld die Hirnentwicklung stark beeinflussen. Die Schlussfolgerung der Ärztin beinhaltet auch eine ökonomische Komponente, sagt sie doch: "Ein förderndes Umfeld, positive Unterstützung und frühe Interventionen sind effektiver und kostengünstiger als das Behandeln der Spätfolgen." Das sagt die Ärztin Nora Maria Raschle.

Die von der WBK-N beantragten Finanzhilfen an kantonale Programme zur Weiterentwicklung der Politik der frühen Kindheit sind ein wichtiges Zeichen. Diese Finanzhilfen fördern die Chancengerechtigkeit bei den Kleinsten, bei den Schwächsten unserer Gesellschaft und führen dazu, dass in der Schweiz immer weniger Menschen bereits im Kindesalter durch das soziale Netz fallen.

Ich bitte Sie, auf die Vorlage einzutreten.