Lexipedia

Brunner Thomas · Nationalrat · 2020-09-08

Brunner Thomas · Nationalrat · St. Gallen · Grünliberale Fraktion · 2020-09-08

Wortprotokoll

Die Botschaft, die wir besprechen, ist ja letztlich eine Finanzplanung im Bereich der Bildung. Wir alle haben Bildung genossen als wesentliche Grundlage für spätere Erfolge. Deshalb denken wir auch, dass wir selbstverständlich alles besser wissen. Wir haben ja in der Schule gelernt: Die Schweiz ist ein rohstoffarmes Land. Deshalb sind früher zum Beispiel im Rheintal bei ungünstigen Witterungsverhältnissen Leute verhungert. Viele haben ihr Glück in der Reisläuferei oder in der Auswanderung suchen müssen. Dabei ist "wandern" ein beschönigender Begriff. Die wenigsten sind zu Fuss in die neuen Welten gepilgert. Heute sprechen wir von Migration. Da werden häufig nicht die Chancen, sondern die Herausforderungen thematisiert.

Im Studium habe ich gelernt, dass man dieses Bild auch differenzierter sehen kann:

1.[NB]Als Wasserschloss hat die Schweiz eine unglaubliche Ressource. Wir haben zum einen eine Trinkwasserqualität, die wir nur selber verschlechtern können. Hinzu kommt das weisse Gold, die Hydroenergie. Wir haben damit eine privilegierte Voraussetzung für die Energiewende.

2.[NB]Steine und Erden betreffen eine Industrie, die sehr wohl einheimische Rohstoffe nutzt. Allerdings sind das Massengüter und keine Preziosen. Sie sind aber zum Beispiel wichtig für unsere Bauindustrie.

3.[NB]Die wesentlichste Ressource ist die Bevölkerung respektive ihr Know-how. Es ist letztlich die Quelle unseres keineswegs selbstverständlichen Wohlstandes. Diesen gilt es sorgsam zu hegen und zu pflegen. Das bedeutet also Aus- und Weiterbildung, das bedeutet Forschung und Entwicklung. Damit müsste uns allen klar sein, wie gross die Bedeutung dieser Planung ist.

Wir Grünliberalen werden häufig mit der Kommissionsmehrheit stimmen. Wir lehnen insbesondere die Schwemme an Kürzungsanträgen der häufig gleichen Minderheiten ab. Das Kostenbewusstsein ist zwar eine wichtige Schweizer Tugend, vor allem bei Konsumausgaben. Aber bei Investitionen in die Zukunft muss man aufpassen, dass man nicht am Ast sägt, auf dem man letztlich sitzt. Als Beispiel: Selbstverständlich ist die Zukunft immer unsicher, aber das sollte man nicht als Vorwand missbrauchen, um hiesigen Spitzenforschern den für ihre Erfolgsaussichten so grundlegenden Zugang zu internationalen Kooperationen und Forschungsprogrammen fahrlässig zu erschweren.

Selbstverständlich treten wir auf diese Botschaft ein. Der Teufel wird aber wie üblich im Detail respektive in der Detailberatung liegen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, sich einzustellen. Die eine ist rückblickend. Wir haben es gehört: Früher war alles besser, also bekämpfen wir jede Änderung. Die andere ist, sich vorausschauend zu fragen: Was ist nötig, damit wir die Chancen der Zukunft ergreifen können? Wir haben das Vertrauen, dass die Ratsmehrheit mit uns zusammen sich der Bedeutung von Bildung, Forschung und Innovationen sehr wohl bewusst ist, und wir freuen uns auf die Detailberatung und die entsprechenden Beschlüsse.