Hegglin Peter · Ständerat · 2020-09-14
Hegglin Peter · Ständerat · Zug · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2020-09-14
Wortprotokoll
Auf der einen Seite gratuliere ich meinen Kolleginnen Vara und Thorens Goumaz zum Einsatz für die Natur. Ich finde aber auf der anderen Seite auch, dass man zwischen dem Wünschbaren und dem Machbaren unterscheiden muss.
Auch ich war früher Biobauer und habe in dieser Tätigkeit versucht, den Einsatz von synthetischen Hilfsstoffen möglichst gering zu halten oder gar keine zu brauchen. Es ist aber so, dass nicht alles ohne synthetische Pestizide geht. Und da ist diese Formulierung in der Initiative eben nicht klar, man kann nicht klar abgrenzen, wo das synthetische Pestizid beginnt und wo es aufhört.
Ich nenne Ihnen zwei Beispiele: Ich habe noch immer viele Bienen, die Produktion ist erfolgreich. Die Bienen sind durch die Varroa-Milbe bedroht, einen Schädling, der die Biene befällt und aussaugt. Das führt dazu, dass Bienenvölker letztlich eingehen. Wenn man nichts dagegen unternimmt, nimmt die Varroa-Milbe überhand, sodass die Bienenvölker absterben; am Schluss gibt es vielleicht gar keine Bienen mehr. Welche Möglichkeiten bestehen nun, um diese Milbe zu bekämpfen? Es wird empfohlen, Ameisensäure zu verwenden, und dies in einer Dosierung, die nicht die Bienen, aber die Milben tötet. Ich gehe davon aus, dass diese Ameisensäure synthetisch hergestellt wird. Wenn man diese nicht mehr verwenden kann, gibt es kein anderes Mittel, um diese Milbe zu bekämpfen. [PAGE 819]
Das zweite Beispiel betrifft den Umgang mit Nahrungsmitteln. Ich nehme das Beispiel Milch. Wenn Sie mit Milch arbeiten, wissen Sie: Milch ist ein sehr, sehr sensibles Nahrungsmittel. Wenn Sie Milch verkaufen, ist die Forderung, dass die Keimzahlbelastung sehr tief ist. Damit Sie diese Forderung erfüllen können, müssen Sie das Geschirr, die Maschinen mit synthetischen Mitteln reinigen. Wenn Sie das nicht machen, haben Sie das Risiko einer hohen Keimbelastung, oder auch die Haltbarkeit der Milch wäre tangiert.
Das sind einfach zwei Beispiele, die zeigen, dass es auf der einen Seite vielleicht wünschbar wäre, auf diese synthetischen Pestizide ganz zu verzichten, dass es aber auf der anderen Seite halt doch Anwendungsbereiche gibt, in welchen Sie darauf zurückgreifen können müssen, sonst haben Sie einfach andere negative Auswirkungen. Das sind zwei Beispiele, die zeigen, dass die Initiative, wenn sie so hart umgesetzt würde, zu anderen, auch grösseren Problemen führen könnte.