Gysi Barbara · Nationalrat · 2020-09-23
Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-09-23
Wortprotokoll
Ich spreche für die Minderheit Feri Yvonne, weil Frau Feri heute als Kommissionssprecherin tätig ist, und begründe ihren Rückweisungsantrag. Der Rückweisungsantrag verlangt, dass eine Vorlage mit einem Adoptionsurlaub von 14 Wochen analog dem Mutterschaftsurlaub ausgearbeitet wird, wie das auch erwähnt worden ist. Dieser 14-wöchige Adoptionsurlaub soll auf beide Elternteile aufgeteilt werden können.
Warum 14 Wochen? Eine Adoption ist nicht einfach ein eigenverantwortlicher Entscheid, wie Kollegin Sauter gesagt hat, um zu begründen, warum es überhaupt keinen Adoptionsurlaub brauche. Ich glaube, jede Elternschaft ist auch ein eigenverantwortlicher Entscheid. Aber es ist wichtig, dass eben nicht nur leibliche Eltern, sondern auch Adoptiveltern genügend Zeit haben, um den Aufbau einer Beziehung mit ihrem Kind zu gestalten. Es ist wirklich wichtig, und die Gesellschaft hat auch ein grosses Interesse daran, dass Adoptionen möglich sind, dass Eltern, dass Paare, Einzelpersonen - in Zukunft auch gleichgeschlechtliche Paare, hoffe ich - Kinder, die keine leiblichen Eltern haben, die für sie sorgen [PAGE 1774] können, adoptieren, ihnen wirklich eine neue Familie geben und sich um sie kümmern. Das braucht Zeit.
Wir wollen mit diesem 14-wöchigen Adoptionsurlaub Adoptiveltern genügend Zeit für diesen Beziehungsaufbau geben. Wenn es ganz kleine Kinder im Babyalter sind, dann ist es so, das wissen Sie auch, dass die Pflege der Kinder sehr viel Zeit benötigt. Darum haben wir eben auch den Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen. Wenn die Kinder vielleicht nicht mehr im Babyalter sind, haben sie unter Umständen bereits eine belastende Lebenszeit hinter sich. Dann ist es umso wichtiger, dass die neue Familie für diesen Beziehungsaufbau genügend Zeit hat. Von daher ist ein 14-wöchiger Adoptionsurlaub sehr gut investierte Zeit und sehr gut investiertes Geld, auch in der EO. Ich denke, das ist wirklich wichtig. Wir wollen diesen Kindern, die in eine zweite Familie kommen, auch einen guten Start in dieser zweiten Familie ermöglichen.
Ich möchte an dieser Stelle, ich habe es vorhin vergessen, noch meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin Präsidentin des Vereins Pflege- und Adoptivkinder Schweiz, der eine Fachstelle betreibt - so viel noch zur Interessenbindung.
Ich möchte Sie wirklich bitten, auch im Interesse dieser Kinder, diesen 14-wöchigen Adoptionsurlaub zu gewähren und daher die Vorlage zurückzuweisen, sodass die Kommission diese Arbeit noch einmal aufnehmen kann und wirklich einen 14-wöchigen Adoptionsurlaub schafft. Ich denke, dass das wirklich wichtig ist. Das Kindeswohl muss im Zentrum stehen und nicht die Kosten. Wir haben auch vom Kommissionssprecher französischer Sprache gehört, dass die Zahl der Adoptionen deutlich zurückgegangen ist. Wir sprechen also nicht über wahnsinnig viel Geld, das die EO hier ausgeben müsste. Es waren, wie er erwähnt hat, in den letzten Jahren rund vierzig bis sechzig Adoptionen jährlich von Kindern im Alter bis vier Jahre. Wenn wir die Altersspanne bis vierzehn Jahre anschauen, so sehen wir, dass es in den letzten drei Jahren durchschnittlich etwa 160 Kinder gewesen sind. Wir sprechen nicht von sehr hohen Kosten, die da auf die EO zukommen. Ich denke, es ist wirklich wichtig, dass wir diesen Kindern einen guten Start in ihren neuen Familien ermöglichen.
Ich bin gebeten worden, auch gleich die Minderheit Feri Yvonne zu Artikel 16i Absatz 1 Buchstabe a zu begründen. Ich mache das gerne gleich jetzt in meinem ersten Votum. Diese Minderheit fordert, dass der Adoptionsurlaub nicht nur für Kinder bis im Alter von vier Jahren ausgerichtet wird, sondern für Kinder bis im Alter von zwölf Jahren. Wir sind absolut der Meinung, dass es wichtig ist, dass Eltern, die Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren aufnehmen, genügend Zeit für diesen Beziehungsaufbau bekommen. Ich denke, da ist es umso wichtiger, dass Adoptiveltern auch diesen zweiwöchigen Urlaub bekommen, um zusätzlich etwas Zeit für den Beziehungsaufbau zu bekommen.
Sehr oft sind das Kinder, die schon eine längere Geschichte erlebt haben, die unter Umständen aus belasteten Verhältnissen kommen. Sie können auch traumatisiert sein. Das sind nicht alle Kinder, aber einige von ihnen. Sie haben einen schweren Start ins Leben gehabt. Da ist es eben wichtig, wenn sie in die Adoptivfamilie kommen, dass genügend Zeit gegeben wird. Diese zwei Wochen oder 14 Wochen, wenn Sie den Rückweisungsantrag annehmen, sind eigentlich nicht wahnsinnig viel. Adoptiveltern nehmen sehr viel mehr auf sich und leisten auch sehr, sehr viel. Ich denke, es wäre auch ein Zeichen der Gesellschaft, wenn man das so anerkennen würde.
Von daher möchte ich Sie wirklich bitten, dass Sie der Minderheit Feri Yvonne bei Artikel 16i Absatz 1 Buchstabe a zustimmen. Noch einmal: Es geht nicht um sehr hohe Kosten, die da anfallen würden. Die Zahlen sind wirklich nicht sehr hoch. Es sind wahrscheinlich zusätzlich etwa sechzig bis achtzig Kinder in dieser Altersgruppe und deren Adoptivfamilien, die betroffen wären. Das sind Kosten, die wir uns mehr als leisten können und auch leisten sollten.
Besten Dank, wenn Sie die beiden Minderheiten Feri Yvonne unterstützen.