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Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2020-09-23

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2020-09-23

Wortprotokoll

Ja, was lange währt, wird endlich - wenigstens teilweise, so hoffe ich - gut. Wir Grünen stehen selbstverständlich für eine Adoptionsentschädigung ein. Für uns ist das eine wichtige, sinnvolle Ergänzung der Erwerbsersatzordnung.

Eine Adoption ist, ähnlich wie eine Geburt, ein sehr grosser Einschnitt und eine Veränderung im Leben der Familie. Die Familie ist in neuer Konstellation und muss sich, wie wenn ein Kind von der Mutter selber geboren wird, an die neue Situation gewöhnen und eine Beziehung aufbauen. Das braucht Zeit. Wenn eine gelingende Beziehung entstehen soll, geht das nicht in ein paar wenigen Tagen; wenn wirklich Ruhe und Kraft in die Familie kommen sollen, die dann auch eine optimale Arbeitsfähigkeit gewährleisten, lohnt es sich, sich Zeit [PAGE 1776] zu nehmen. Ein bezahlter Urlaub bei einer Adoption ist auch im Sinne des Kindeswohls sehr wichtig und sinnvoll.

Es braucht auch für das Kind eine Einpassung, eine gelingende Entwicklung in der Familie, denn gerade für das adoptierte Kind ist die Situation alles andere als einfach. Es wurde sicher nicht gefragt, ob es diese Situation will. Es wird faktisch in eine neue Familie hineingestellt und muss sich, wie die andere Seite auch, damit auseinandersetzen.

Für uns ist es deshalb sehr wichtig, dass der Anspruch länger ist. Wir verstehen nicht, dass nur ein Minimum von 14 Taggeldern gesprochen werden soll. Unserer Meinung nach ist das definitiv zu wenig. Wie bei einer sogenannt normalen Mutterschaft ist die Zeit sehr nötig. Wir unterstützen deshalb klar den Minderheitsantrag Feri Yvonne. Wir möchten diese Rückweisung und eine neue Vorlage, die dann 14 Wochen Adoptionsurlaub beinhaltet. Die 14 Wochen Mutterschaftsurlaub sind für uns ohnehin am untersten Limit. 14 Wochen sind nicht viel, was wir auch sehen, wenn wir mit den Regelungen in den EU-Mitgliedstaaten vergleichen. Viele Länder gehen deutlich weiter als wir mit unseren 14 Wochen. Die Adoption braucht genauso viel Zeit.

Dass der Adoptionsurlaub zwischen Mann und Frau bzw. zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden kann, macht hier sehr viel Sinn, weil die Frau, das ist einer der grossen Unterschiede zur sogenannt normalen Mutterschaft, quasi nicht nach der Geburt genesen muss.

Falls eingetreten wird und der Rückweisungsantrag keine Mehrheit findet, haben wir kein Verständnis für die Beschränkung auf die Adoption eines Kindes, das weniger als vier Jahre alt ist. Die Gewöhnung braucht Zeit, egal, wie alt das Kind ist. Und gerade wenn ein Kind schon ein bisschen älter ist, hat es eine Geschichte auf dem Buckel und braucht damit noch mehr Eingewöhnung in die neue Familiensituation. Wir sind deshalb klar für den Antrag der Minderheit Feri Yvonne, auf zwölf Jahre zu erhöhen. Ob der Urlaub aber tageweise oder wochenweise genommen wird, wollen wir der Familie überlassen. Sie soll urteilen, wie sie das macht, so, wie es für sie Sinn macht. Wir wollen hier keine Einschränkung und sind deshalb bei der Mehrheit.

Wir bitten Sie, diesem wichtigen Adoptionsurlaub zuzustimmen, und zwar in seiner langen Form von 14 Wochen.