Aebi Andreas · Nationalrat · 2020-11-30
Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-11-30
Wortprotokoll
Liebe Kolleginnen und Kollegen des Nationalrates, sehr geehrter Herr Generalsekretär der Bundesversammlung, geschätzte Damen und Herren der Parlamentsdienste, sehr geehrte Damen und Herren der Presse, liebe Kolleginnen und Kollegen! Für das Vertrauen, das Sie mir mit der Wahl zum Nationalratspräsidenten entgegenbringen, danke ich herzlich. Es ehrt und berührt mich sehr. Für meinen Heimatkanton Bern, für meinen Wahlkreis Emmental und für meinen Wohnort Alchenstorf ist das ein nicht alltägliches Ereignis. Ich danke der Berner Regierung für die grosse Unterstützung und auch dafür, dass sie heute hier anwesend ist. Ein grosser Dank gilt meiner Partei, der Schweizerischen Volkspartei, für die Nomination und meinen ehemaligen Mitbewerbern für dieses Amt für ihr sportliches und faires Ausmarchen.
Was wären unser vielfältiges Leben, die Berufsarbeit und das Politisieren ohne unsere Familien und Freunde? Es berührt [PAGE 2091] mich beim Blick auf die Besuchertribüne sehr, dass ihr - meine Familie und einige wichtige Menschen - anwesend seid und anwesend sein dürft: meine Frau Thea, unsere Kinder, mein 87-jähriger Vater, meine Geschwister und einige Weggefährten. Ein spezieller Gruss gilt meinem politischen Ziehvater Ueli Salzmann aus Oberburg, der mich vor vierzehn Jahren dazu motiviert hat, für den Nationalrat zu kandidieren. Ohni di, Ueli, wär i hüt nit do; schön, dass es di Gsundheit zueloht, dass du o chasch do sy. Danke dir viu mou. (Beifall)
Ich werde alles daransetzen, mein Mandat effizient und unparteiisch mit dem Blick auf das Ganze auszuüben. Mit Isabelle Moret hatte ich eine hervorragende Lehrmeisterin, und mit Irène Kälin habe ich eine gute Vizepräsidentin. Die Corona-Krise hat uns gelehrt, in der Parlamentsführung situativ zu reagieren, umzudisponieren und neue Wege zu gehen.
I ma fa plaschair che la lingua rumantscha entra en il presidi dal Cussegl naziunal cun Martin Candinas sco segund vicepresident dal Grischun.
Mit der Corona-Krise sind wir in einer der weltweit grössten Pandemien seit Menschengedenken. Wir nehmen uns am heutigen Tag keine Zeit für Vergnügen und Zerstreuung, sondern üben uns in Solidarität und Verzicht.
Wir denken an alle, die in dieser Krise einen lieben Mitmenschen verloren haben. Unsere Gedanken sind auch bei den einsamen Menschen und denjenigen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben oder haben müssen. Wir hoffen sehr, dass sie Zuversicht und Lichtblicke erleben.
Unsere grosse Anerkennung und unser Dank gelten den Menschen, die im Gesundheitswesen hinstehen und da sind, und all jenen, die in dieser Krise Verantwortung übernehmen und gut handeln.
Meine Initialen, mit Namen, Vornamen und Wohnort, bilden ein "Triple A" oder, auf Deutsch gesagt, drei A. Für mein Präsidialjahr begebe ich mich aber ans andere Ende des Alphabets, und zwar habe ich mich für ein "Triple Z" entschieden: Z[NB]wie Zusammenhalt, Z wie Zuversicht und Z wie Zufriedenheit. Unter dieses Motto möchte ich mein Präsidialjahr stellen.
Z wie Zusammenhalt: für die kranken und wirtschaftlich schwächeren Mitmenschen da sein und die Unternehmen, die unverschuldet in die Krise geraten sind, unterstützen. Sie bilden als KMU das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, wie es oft so treffend heisst. Diese inhabergeführten Unternehmen haben jahrelang ordentlich Steuern und Sozialabzüge einbezahlt. Ich hoffe sehr, dass unser Parlament in den nächsten Tagen in dieser Hinsicht faire, griffige und schnelle Lösungen finden wird.
La coesione è un elemento estremamente importante anche per il nostro magnifico paese. Esso non si compone soltanto di regioni linguistiche diverse, ma anche di regioni con condizioni diverse. La questione dei frontalieri in Ticino e la virulenza con cui la pandemia ha colpito il nostro cantone a sud delle Alpi hanno evidenziato in modo chiaro che dobbiamo tenere conto delle diverse esigenze delle nostre regioni.
Dans ma famille, la tradition veut que les jeunes apprennent le français en Suisse romande. A mes yeux, cela est essentiel pour la cohésion de notre nation, issue de la volonté commune de vivre ensemble, de découvrir et d'embrasser les particularités des autres régions linguistiques du pays.
Ein ganz besonderes Anliegen in meinem Präsidialjahr ist die Begegnung von Stadt und Land, das Einander-besser-Verstehen. Mein persönlicher Mitarbeiter im Präsidialjahr bereitet ein tolles Programm vor, damit ab Frühling 2021 städtische Schulklassen das Land und ländliche Schulklassen die Stadt erleben dürfen. Für die breite finanzielle Unterstützung von Institutionen und Firmen für dieses Projekt bedanke ich mich heute schon herzlich.
Z wie Zuversicht: Der Schriftsteller Stephan Sarek hat geschrieben: "Es kann nichts schiefgehen. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass die Dinge einen anderen Verlauf nehmen als geplant." Unsere persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Monate und der Zusammenhalt prägen die Zuversicht. Als langjähriger Aussenpolitiker unseres Rates durfte ich immer wieder feststellen, dass unser Land mit seinen Institutionen, auch dank der weisen Arbeit unserer Vorfahren, sehr gut aufgestellt ist.
Auch für mich hat diese Eröffnungsrede einen anderen Verlauf genommen. Liebend gerne hätte ich jetzt die sechzig Schülerinnen und Schüler und die drei Lehrerinnen unserer Dorfschule von Alchenstorf hier begrüsst, die zusammen mit Florian Ast gesungen hätten. Damit Sie dennoch mit den Schulkindern meines Dorfes verbunden sein können, haben diese für uns hundert Vogelrestaurants gebastelt und ins Bundeshaus geschickt. Vielleicht haben Sie sie schon gesehen, links und rechts entlang der langen Treppe in der Eingangshalle. Mit dem Erlös werden die Schulkinder die Schulhausumgebung insekten- und vogelfreundlich gestalten und damit einen nachhaltigen Beitrag an unser Vogeldorf Alchenstorf leisten.
Z wie Zufriedenheit - oder ich kann auch sagen: Lebensfreude. Bei all den Herausforderungen, die es zu meistern gilt, sollte uns die Freude nicht abhandenkommen. Lebensfreude und Leidenschaft sind der Treibstoff für ein aktives, motivierendes und sinnerfülltes Leben.
Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes Lichtblicke und Zufriedenheit im Zusammensein mit Familie und Freunden. Das gemeinsame Lachen, aber auch das gemeinsame Traurigsein, wenn es die Umstände bringen, sollen ihren Platz haben.
Ich hoffe sehr, dass die Präsidialfeier, die leider am kommenden Mittwoch nicht stattfinden kann, während der Sommersession möglich sein wird. Liebend gerne würde ich Ihnen dann meine Heimat, das Emmental, zeigen.
Für uns Parlamentarierinnen und Parlamentarier wird nun auch der traditionelle gemeinsame Wahl-Apéro in den engen Gängen des Bundeshauses nicht stattfinden können. Ich habe das Privileg, anschliessend mit meinen engsten Angehörigen sitzend zu feiern. Isabelle, ich danke dir ganz herzlich, dass du dann diesen Platz für eine gewisse Zeit wieder einnimmst.
Selbstverständlich haben wir dennoch an Sie alle gedacht. Sie bekommen einen Gutschein für ein Glas Präsidialwein und einen Käseteller der Emmentaler Weltmeisterkäser, den Sie während dieser Wintersession im Restaurant Galerie des Alpes einlösen können. Als ganz persönliches Geschenk zum Mit-nachhause-Nehmen erhalten Sie alle ein Glas Honig, gesammelt von den Bienen unseres Bauernhofes Brunnenhof in Alchenstorf.
Ich danke Ihnen allen nochmals für die Unterstützung meiner Wahl und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit. Tragen wir Sorge zueinander! (Beifall)
[VS]