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Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2020-12-14

Wortprotokoll

Ich glaube, zum jetzigen Zeitpunkt über die Aufwertung der Care-Arbeit zu sprechen, ist wirklich sehr, sehr wichtig. Mit diesem Postulat, wenn Sie es annehmen, können wir wichtige Schritte tun. Natürlich, wie der Bundesrat auch schreibt, sind einige Sachen aufgenommen worden: Wir haben einen bezahlten Elternurlaub für Eltern schwer kranker Kinder; wir haben natürlich auch in der AHV die Betreuungsgutschriften. Aber das reicht einfach nicht aus.

16 Milliarden Arbeitsstunden unbezahlte Care-Arbeit werden jährlich geleistet. Das entspricht einem Wert von etwa 8,7 Milliarden Franken. Diese Zahl habe ich einem Bericht des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung entnommen. Zwei Drittel dieser Arbeit werden von Frauen geleistet. Wenn diese geleistete Care-Arbeit nicht entschädigt ist und eben auch für die Altersvorsorge nicht genügend angerechnet wird, dann führt das dazu, dass diese Frauen massiv geschmälerte Altersrenten haben. Das betrifft weniger die erste und mehr die zweite Säule. In der ersten gibt es ja Betreuungsgutschriften, zumindest was die Erziehung von Kindern und zum Teil auch die Pflege von Angehörigen anbelangt. Aber die zweite Säule ist da absolut ungenügend abgedeckt.

Dann zur bezahlten Care-Arbeit: Dieser Bericht soll eben auch die bezahlte Care-Arbeit anschauen. Wir sind mit Forderungen konfrontiert und hören, dass die Care-Arbeit besser bezahlt werden müsse. Wenn wir längerfristig genügend Pflege- und Gesundheitspersonal haben wollen, dann müssen wir auch dort ansetzen. Wir dürfen nicht davor zurückscheuen, dass eben auch Umverlagerungen gemacht werden müssen. Es gibt Branchen, in denen sehr grosse Gewinne erzielt werden können. Der Care-Sektor ist ein Bereich, der personalintensiv ist; dort gibt es keine Effizienzsteigerungsmöglichkeiten. Man muss wirklich dort abschöpfen, wo die Digitalisierung auch Gewinne ermöglicht, man muss diese Gewinne in den Care-Sektor umlagern. Der Bundesrat soll in einem Bericht aufzeigen, wie das ermöglicht werden kann, damit wir eben die bezahlte, aber auch die unbezahlte Care-Arbeit besser abgelten können.

Wir müssen wirklich schauen, dass diese Arbeit weiterhin geleistet wird, dass sie zu besseren Konditionen geleistet wird und dass es vor allem eben nicht zu Lücken in der Altersvorsorge kommt. Das darf auf keinen Fall passieren, denn schon jetzt ist es so, dass bei den Ergänzungsleistungsbezügerinnen und -bezügern die Frauen in der Überzahl sind. Und es sind die Frauen, die genau wegen dieser Care-Falle eine schlechte Altersvorsorge haben.

Ich bitte Sie sehr, die Care-Arbeit besser zu würdigen und dieses Postulat anzunehmen.

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