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Aebi Andreas · Nationalrat · 2020-12-18

Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-12-18

Wortprotokoll

Am Mittwochnachmittag mussten wir vom Tod von alt Bundesrat Flavio Cotti erfahren. Er verstarb an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung in Locarno. Flavio Cotti war von 1983 bis 1986 Mitglied des Nationalrates und von 1987 bis 1999 Mitglied des Bundesrates. Im Namen unseres Rates möchte ich seiner Familie mein herzliches Beileid aussprechen.

Flavio Cotti wurde am 18. Oktober 1939 in Muralto geboren. Er besuchte die Schulen in Ascona und Sarnen und studierte Recht in Fribourg. Er liebte und lebte die multikulturelle Schweiz und war stets ein leidenschaftlicher Verfechter unserer Vielfältigkeit.

Mindestens ebenso stark schlug sein Herz für die Politik. Mit 25 Jahren wurde er Mitglied des Stadtparlamentes von Locarno, mit 28 Jahren Grossrat, mit 36 Jahren Staatsrat. Bereits acht Jahre später, 1983, gelang ihm auf Anhieb die Wahl für die CVP in den Nationalrat. Schon in seiner ersten Legislaturperiode, 1986, wurde er mit 163 Stimmen glanzvoll in den Bundesrat gewählt, als siebter von bisher acht Tessinern in diesem Amt.

In den zwölf Jahren als Bundesrat stand er zunächst dem Eidgenössischen Departement des Innern vor. Er widmete sich insbesondere der Konsolidierung der Sozialwerke, er setzte sich für die Bekämpfung von Aids ein und widmete sich der zunehmenden Drogenproblematik. Er erkannte auch früh, wie wichtig der Schutz der Umwelt für unsere Zukunft ist. Er schuf 1988 das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, aus dem später das Bundesamt für Umwelt hervorging. Bereits 1992, am UNO-Erdgipfel über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, schloss Flavio Cotti seine Rede mit den Worten: "Man muss schnell handeln, man muss sehr schnell handeln." Er lud die Umweltminister unserer Nachbarländer zur gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen ein. Möglicherweise begann damals sein Weg in die internationale Politik.

Es ist wohl unbestritten, dass Flavio Cottis Herz ganz besonders für die Aussenpolitik, für eine starke Position der Schweiz in Europa und in der Welt schlug. So war es keine Überraschung, als er 1993 die Leitung des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten übernahm. Er trat sein Amt in einer bewegten Zeit an. Der Kalte Krieg war zu Ende, Europa wuchs stärker zusammen, gleichzeitig brach das ehemalige Jugoslawien in einem zehnjährigen Krieg auseinander. Im Jahr 1996 präsidierte Flavio Cotti als erster Schweizer die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. In dieser Position war er am Friedensabkommen von Dayton beteiligt, das 1995 in Bosnien und Herzegowina zur Beilegung des Krieges und im Jahr darauf zu Wahlen führte.

Ebenfalls 1996 setzte er die Bergier-Kommission ein, die die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und den Verbleib der nachrichtenlosen Vermögen untersuchte. Mitarbeitende erinnern sich daran, dass er die unzähligen Bürgerbriefe, die damals eingingen, persönlich durchlas und nächtelang darüber brütete, wie darauf zu antworten sei.

Die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern war Flavio Cotti sehr wichtig. Er ging spontan, herzlich und offen auf die Menschen zu. In seiner Rücktrittsrede 1999 dankte er nicht nur seiner Familie und seinen politischen Weggefährten, sondern auch den Chauffeuren, den Putzfrauen, den Müllmännern und dem Sicherheitspersonal für ihren Einsatz. Diese Nähe spiegelte sich im Rückhalt, den er im Volk genoss.

Flavio Cotti war auch ein Wegbereiter des Bilateralismus. Es war seine grösste Überzeugung, dass die Schweizer Selbstbestimmung nur gewahrt werden kann, wenn wir auf dem europäischen Parkett gleichberechtigt mitwirken und [PAGE 2685] mitentscheiden können. So war einer seiner wichtigsten politischen Erfolge der Abschluss der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU im Jahr 1998, die das Volk im Jahr 2000 deutlich bestätigte.

Zweimal war Flavio Cotti Bundespräsident, und beide Male waren es ganz besondere Jahre: 1991 feierte die Schweiz 700 Jahre Eidgenossenschaft, 1998 feierte sie 150 Jahre Bundesstaat.

Knapp zwanzigjährig, soll er auf die Frage nach seinen Lebenszielen geantwortet haben: "Senza retorica, vorrei servire il mio paese." Tatsächlich bleibt uns Flavio Cotti als ein grosser Staatsmann in Erinnerung, als eine Persönlichkeit, die sich mit Geschick, mit Beharrlichkeit, mit Eloquenz und mit innerem Feuer für unser Land einsetzte. Flavio Cotti, la ringraziamo del suo servizio ed esprimiamo ai suoi cari le nostre sincere condoglianze.[GZ]

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen[GZ]

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt