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AB 276922

Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-03

Wortprotokoll

Die parlamentarische Initiative Wehrli fordert die Schaffung eines Programms zu Jugend und Ernährung. Sie wurde im Juni 2019 eingereicht. In der Folge gab ihr die WBK-N Folge, die ständerätliche Schwesterkommission hingegen im Januar 2020 nicht. Deshalb hat sich die WBK-N erneut damit befasst und hat mit 12 zu 12 Stimmen mit Stichentscheid des Präsidenten ihren Entscheid bestätigt, der Initiative Folge zu geben. Dabei hat sie an ihrer Sitzung eine breite Auslegeordnung zur Thematik Jugend und Ernährung vorgenommen, indem verschiedene Organisationen aus diesem Bereich angehört wurden, welche allesamt die Stossrichtung der Initiative unterstützen.

Aus folgenden Gründen spricht sich die Kommissionsmehrheit weiterhin für diese parlamentarische Initiative aus.

1.[NB]Gesetzliche Grundlagen: Mit Artikel 118 der Bundesverfassung, "Schutz der Gesundheit", und mit Artikel 24 des Lebensmittelgesetzes, "Information der Öffentlichkeit", besteht die rechtliche Basis für die Lancierung eines solchen Programms. Der Initiant regt an zu prüfen, ob ein Programm zu Jugend und Ernährung mit einem neuen Artikel in der Bundesverfassung verankert werden kann, analog zu den Programmen zu Jugend und Kultur und zu Jugend und Sport.

2.[NB]Je früher, desto wirkungsvoller: Im Kindes- und Jugendalter sind präventive und gesundheitsfördernde Massnahmen so wirksam und nachhaltig wie in keiner anderen Lebensphase. Was Kinder essen, hat Auswirkungen auf ihr ganzes Leben. Dabei zeigen neue Studien, dass die Ernährung in den ersten Lebensjahren für spätere altersbedingte Erkrankungen verantwortlich sein kann. Wirtschaftlich betrachtet kann auch gesagt werden, dass die Ernährung unserer Jugend die Gesundheitskosten der Zukunft mitbestimmt.

3.[NB]Ernährungskompetenzen sind Lebenskompetenzen: Jedes sechste Schulkind ist übergewichtig. Dabei besteht gemäss Gesundheitsförderung Schweiz am meisten Handlungsbedarf bei den Jugendlichen. Um sich im heutigen verwirrenden Überangebot zu orientieren und sich ausgewogen zu ernähren, sind Ernährungskompetenzen unabdingbar. Diese Skills sollen Kinder und Jugendliche mit Unterstützung ihres gesamten Umfelds erlernen können. Dabei bilden gemäss Education 21 die Lehrpläne eine sehr gute Basis. Was es noch braucht, ist eine handlungsorientiertere Umsetzung, und diese könnte mit der vorliegenden parlamentarischen Initiative erreicht werden. Ernährungsfragen sind zudem unmittelbar mit Wertschöpfungsketten und Konsumentinnenfragen verbunden. Die Förderung einer gesunden und nachhaltigen Ernährung bei Kindern und Jugendlichen kann somit eine wichtige Grundlage für die Lebenskompetenz darstellen.

4.[NB]Fokus auf Regionalität und Nachhaltigkeit: Die parlamentarische Initiative hat einen starken Fokus auf Regionalität und somit auf die landwirtschaftliche Produktion. Damit ist ein Fokus darauf gerichtet, dass der natürliche Ursprung der Lebensmittel betont wird. Deshalb unterstützt beispielsweise auch der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband diese parlamentarische Initiative, denn das Vermitteln der Kenntnisse einer gesunden, saisonalen und regionalen Ernährung liegt auch im Urinteresse der Landwirtschaft.

5.[NB]Umsetzung der parlamentarischen Initiative: Primäres Ziel der parlamentarischen Initiative ist es, die bereits aktiven Akteure und ihre getroffenen Massnahmen auf Ebene des Bundes, aber auch über die Gesundheitsförderung Schweiz oder über den Sport, untereinander und mit privaten Unternehmungen und Stiftungen noch besser zu koordinieren. Dabei soll die bewährte kantonale Schulhoheit klar gewahrt werden. Zudem ist der von der parlamentarischen Initiative vorgeschlagene Weg zielführend, wenn er auch vorschulische und ausserschulische Aktivitäten integriert und Kinder aus allen Bevölkerungsgruppen erreicht.

Zum Schluss bitte ich Sie im Namen der Kommissionsmehrheit, dieser parlamentarischen Initiative Folge zu geben.