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Rieder Beat · Ständerat · 2021-03-09

Rieder Beat · Ständerat · Wallis · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-03-09

Wortprotokoll

Ich beschäftige mich seit 1996 mit dem Wolf, zuerst als Strafverteidiger und in der Folge mehr als Politiker. Ich hätte mir ein Jahr gewünscht, in dem wir in diesem Rat das Problem dieses Grossraubtieres nicht mehr diskutieren müssen, aber offensichtlich gibt es zu viele Wölfe in der freien Natur, und offensichtlich gibt es auch eine grosse Anzahl von Wolfsbefürwortern in der Schweiz; das ist so auch zu akzeptieren.

Ich spreche heute noch einmal, um auch zu Protokoll zu geben, was die Fakten sind. Es gibt - das hat Herr Schnidrig als oberster Wildhüter schön und einfach dargelegt - zwei Modelle, wie Sie die Koexistenz zwischen Menschen und Grossraubtieren regeln können: Es gibt ein reaktives Modell, und es gibt ein proaktives Modell. Das gegenwärtige Modell des staatlichen Eingreifens ist ein reaktives Modell, und es wird mit dieser Motion dann einfach optimiert. Der Bundesrat wird allenfalls schneller und einfacher auf Schäden reagieren können, aber die Belastung für die Bevölkerung und die betroffenen Kreise bleibt die gleiche - sie wird leider sogar zunehmen. Ich habe es in diesem Rat schon mehrfach gesagt: Die Populationsentwicklung unseres Lieblingstieres wird sich nicht durch Motionen oder Regulierungen der reaktiven Art beeinflussen lassen. Wir werden einfach alle zwei bis drei Jahre eine Verdoppelung der Wolfspopulation in der Schweiz haben, mit einer flächendeckenden Ausbreitung des Wolfes in der ganzen Schweiz. Das heisst: mehr Wölfe, mehr Schäden und dann mehr reaktive Eingriffe.

Das andere Modell wäre das proaktive Modell gewesen. Das war im neuen Jagdgesetz eigentlich vorgesehen; es wäre eine gemässigte Regulierung der Wolfspopulation vorgesehen gewesen und dadurch auch ein Rückgang der Schadensfälle. Dazwischen gibt es nichts, es gibt kein Zwischending zwischen diesen beiden Modellen.

Die Motion, die nun vorgelegt wird und die ich befürworte, ist eine Optimierung des reaktiven Modells, die es dem Bundesrat erlaubt, das eine oder andere Mal schneller in eine Wolfspopulation, die grosse Schäden macht, einzugreifen. Was ich nicht möchte, ist, dass die Illusion geschürt wird, dass wir durch diese Motion des Problems dieses Grossraubtiers in der dicht besiedelten Schweiz Herr werden. Das wird nicht der Fall sein. Ich möchte auch nicht die Illusion meiner Vorrednerin nähren, dass wir der zunehmenden Wolfspopulation mit Prävention oder mit finanziellen Anreizen an die Bauern werden begegnen können. Auch das wird nicht der Fall sein. Leider wird, aufgrund der knappen Abstimmung, das Grossraubtier in der kleinen, dicht besiedelten Schweiz ein Problem bleiben, es wird sogar zunehmen, und Sie werden leider in den nächsten Jahren mit weiteren Vorstössen rechnen müssen.

Sie können dieses Tier nicht mit Motionen in den Griff bekommen. Sie können es nur in den Griff bekommen, wenn Sie den Kantonen, den Jagdbehörden, die richtigen Mittel in die Hand geben, damit die Populationen auf ein vernünftiges Mass reduziert werden können, dies immer unter Berücksichtigung des Existenzrechtes des Wolfes auch in der Schweiz.