Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · 2021-03-17
Schneider Schüttel Ursula · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-17
Wortprotokoll
Ich gebe vorab meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Präsidentin der Lungenliga Freiburg und der Gesundheitsligen des Kantons Freiburg. Damit ist auch schon klar, dass ich diese Initiative unterstütze, denn diese Gesundheitsorganisationen sind direkt mit den gravierenden Folgen des Tabakkonsums konfrontiert.
Tabakkonsum gehört zu den grössten Problemen der öffentlichen Gesundheit. Patientinnen und Patienten mit Atemnot, Asthma, Lungen- und Krebserkrankungen werden durch die Lungenligen oder durch Gesundheitsligen beraten und betreut. Diese Krankheiten werden oft durch Tabakkonsum verursacht. Er ist die wichtigste Ursache für vorzeitige, vermeidbare Todesfälle in der Schweiz. Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 9500 Menschen an den Folgen des Rauchens. Noch eine weitere Zahl: Studien zeigen, dass 57 Prozent der Rauchenden als Minderjährige mit dem Tabakkonsum beginnen. Wenn Jugendliche nicht mit dem Rauchen beginnen, ist die Chance gross, dass diese Menschen später nicht vom Tabakkonsum abhängig werden. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass im Zentrum der Initiative der Schutz von[NB]Kindern[NB]und Jugendlichen vor Werbung für Tabakprodukte steht.
Zu meiner Zeit, als ich noch jung war, ritt der berühmte Cowboy in den Sonnenuntergang, oder er rauchte am Lagerfeuer eine Zigarette. Frauen waren übrigens kaum dabei. Heute sind es andere Traumwelten oder coole Stimmungen, die einem durch die Tabakwerbung vermittelt werden. Für Jugendliche ist klar: Man will dazugehören und die gleichen Erfahrungen machen. Darauf bauen die Tabakfirmen, die mit Werbung gezielt die Jugendlichen ansprechen. Oder sind Ihnen schon einmal vor dem Theater oder der Operette Zigaretten angeboten worden?
Bisher hat der Nationalrat die Tabakwerbung nicht eingeschränkt, obwohl er im Entwurf zum Tabakproduktegesetz in der letzten Herbstsession die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Der Ständerat wird hier nun wohl - so hoffe ich -, wenn es nach seiner Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit geht, den wichtigen Schritt machen. Handeln ist in diesem Bereich nötig. Mit einem Werbeverbot kann verhindert werden, dass bereits Jugendliche in den Tabakkonsum einsteigen und nicht mehr davon wegkommen. Die hohen durch den Tabakkonsum verursachten sozialen Kosten von 4 Milliarden Franken pro Jahr wegen Produktionsausfällen aufgrund von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und vorzeitigen Todesfällen können mit einer simplen Massnahme zumindest verringert werden.
58 Prozent der Schweizer Bevölkerung bejahen ein allgemeines Werbeverbot für Tabakprodukte. Wir sind also in guter Gesellschaft, wenn wir die Initiative annehmen, oder in noch besserer Gesellschaft, wenn wir bei der nächsten [PAGE 557] Gelegenheit die Aufnahme des Werbeverbots im Tabakproduktegesetz unterstützen.