Dettling Marcel · Nationalrat · 2021-05-03
Dettling Marcel · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-05-03
Wortprotokoll
Die Zuckerproduktion ist für die Schweiz eine äusserst spannende Produktion. Warum? Wir haben von der Rübe bis zum Würfelzucker alles Nötige, um Zucker herzustellen. Zucker ist ein Grundnahrungsmittel und wird zu einem Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent in der Schweiz selbst hergestellt. Die Produktion in der Schweiz ist allerdings stark gefährdet. Warum? Die EU hat 2017 beschlossen, die Quote aufzuheben. Seit diesem Zeitpunkt sind die Preise massiv gefallen. Zum Vergleich: Seit 2006 hat sich der Zuckerpreis in der Produktion in der Schweiz halbiert.
Der Einzelantrag Wasserfallen Christian besagt jetzt, dass die Produktion in der Schweiz bei einem minimalen Grenzschutz von 70 Franken pro Tonne gefährdet sei. Nur noch einmal zur Erinnerung: Wir haben den Zuckerpreis in der Schweiz seit 2006 mehr als halbiert. Ein nächstes kleines Beispiel: Mit dem Grenzschutz, den wir nun ins Gesetz schreiben möchten, hebt sich der Preis für Schokolade um 0,3 Rappen an. Ein Grenzschutz von 70 Franken pro Tonne gleich Rettung des Schweizer Zuckers versus 0,3 Rappen für die Tafel Schokolade: Behalten Sie dieses Verhältnis im Hinterkopf, wenn es dann um den Einzelantrag Wasserfallen Christian geht.
Aufgrund der Aufhebung der EU-Quote haben wir in der Schweiz das Problem, dass wegen der tiefen Preise massenhaft Bauern aus diesem Geschäft ausgestiegen sind. 2014 waren es noch 6000 Rübenpflanzer in der Schweiz und 2020 nur noch 4500. Die Anbaufläche betrug 2014 nur noch 21[NB]000 Hektaren, 2020 noch 17[NB]000 Hektaren. Unsere beiden Schweizer Zuckerfabriken in Frauenfeld und Aarberg brauchen - das hat eine Studie im Auftrag des Bundesrates gezeigt - um die 20[NB]000 Hektaren Anbaufläche, damit sie rentabel betrieben werden können. Die parlamentarische Initiative Bourgeois hat auf dieses Problem schon relativ frühzeitig, nämlich 2015, aufmerksam gemacht. Der Bundesrat hat in der Folge 2018 den Einzelkulturbeitrag von 1800 auf 2100 Franken erhöht und den Zoll auf 70 Franken pro Tonne festgelegt. Diese Massnahmen waren erfolgreich. Die Grösse der Gesamtanbaufläche hat sich seit diesem Zeitpunkt stabilisiert.
Ich möchte noch etwas zur Möglichkeit sagen, den Zuckerrübenanbau nicht mehr in der Schweiz zu betreiben. Eine Studie hat gezeigt, dass die Produktion im Ausland 30 Prozent weniger ökologisch ist als in der Schweiz. Dazu ein gutes Beispiel: In der Schweiz wird die Zuckerrübe beim Bauern auf dem Feld produziert, dann auf den Zug geladen und in die Zuckerrübenfabrik gefahren. Im Ausland geschieht der gesamte Transport mit dem Lastwagen. Ich will dies nicht haben, die SVP-Fraktion will dies ebenfalls nicht haben.
Wir sind dafür, den Mindestgrenzschutz ins Gesetz zu schreiben. Das sind die 70 Franken pro Tonne, was 0,3 Rappen für die Schokolade ausmacht. Wir haben den Preis nach zehn Jahren aber halbiert. Dies ist im Hinterkopf zu behalten.
Wir unterstützen den Einzelantrag Munz. Das ist der modifizierte Minderheitsantrag Müller Leo, der eine Befristung im Gesetz verankern will. Wir erachten eine Befristung als den richtigen Weg. Dann können wir in fünf Jahren wieder eine Auslegeordnung machen.
Ich bitte Sie, uns zu folgen und die Schweizer Zuckerrübenproduktion zu unterstützen. Es ist eine sinnvolle Produktion in unserem Land.