Haab Martin · Nationalrat · 2021-06-01
Haab Martin · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-06-01
Wortprotokoll
Die Ernährungssicherung unseres Landes ist im Moment in aller Munde. Unser heute schon tiefer Selbstversorgungsgrad von weit unter 60 Prozent ist in Gefahr, denn verschiedene ernst zu nehmende Herausforderungen stehen an. Ich spreche hier nicht von den anstehenden Agrar-Initiativen. Ich spreche auch nicht über die neue Agrarpolitik, welche dieser Rat in den nächsten Jahren intensiv diskutieren wird, und ich spreche nicht über die im Moment rasant ansteigenden Weltmarktpreise für Weizen, Mais, Soja und weitere Agrarrohstoffe. Diese globale Verteuerung der Ernährung wird kaum zu Problemen in unserem vom Wohlstand verwöhnten und finanzstarken Land führen, sondern wird die Ärmsten der Armen auf der Welt einmal mehr schmerzlich treffen.
Ich spreche hier über die Gefahr des Verlustes von wertvollem, ackerfähigem Kulturland, sogenannten Fruchtfolgeflächen, in unserem Land. Bevölkerungswachstum und Siedlungsentwicklung, neue Verkehrsinfrastrukturen sowie Renaturierungen finden in der Regel auf Kosten des fruchtbaren Ackerbodens im Talgebiet statt. Der Sachplan Fruchtfolgeflächen wurde im Jahr 1992 erarbeitet und hat zum Ziel, mindestens 438[NB]000 Hektaren an Fruchtfolgeflächen zu erhalten, um der Landwirtschaft eine hervorragende Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion zu sichern.
Im Jahr 2020 wurde der Sachplan Fruchtfolgeflächen überarbeitet und so vom Bundesrat gutgeheissen. Ein Drittel dieser potenziellen Ackerböden wurde in den letzten hundert Jahren drainiert. Dies entspricht rund 150[NB]000 Hektaren und gemäss Bundesamt für Landwirtschaft einem Infrastrukturkapital von etwa 5 Milliarden Franken. Rund ein Drittel dieser Drainage-Systeme muss in den nächsten zwanzig Jahren altershalber erneuert werden. Die Forschung und Entwicklung im Bereich der angewandten Bodenverbesserung liegt seit den Achtzigerjahren brach und soll nun wieder gezielt aufgebaut werden. Gerade die Digitalisierung eröffnet der Landwirtschaft neue Perspektiven, sei es im Einsatz von autonomen Fahrsystemen, in der mechanischen Unkrautbekämpfung oder im ganz gezielten Einsatz von Hilfsstoffen, um die Ernte zu sichern. Auch präzise digitale Bewässerungssysteme ergeben neue Chancen, dies vor allem im Obst-, Gemüse- und Spezialkulturanbau.
Durch die zeitgemässe Erneuerung der Drainage- und Bewässerungssysteme wird es uns gelingen, diese wertvollen Ackerflächen für die pflanzliche Produktion auch in Zukunft zu sichern und dabei ihre Ertragsfähigkeit zu erhalten. Somit bleibt auch das Potenzial bestehen, auf landwirtschaftlich weniger ertragreichen Böden die Biodiversitätsförderflächen qualitativ weiter zu verbessern.
Damit die Landwirtschaft all diesen zukünftigen Herausforderungen gerecht werden kann, wird der Bundesrat mit dieser Motion aufgefordert, die wissenschaftliche und fachliche Kompetenz zur Erhaltung von ertragsfähigen und ertragssichernden Ackerböden aufzubauen. Dazu soll an einer bestehenden Institution, z. B. an einer ETH, an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften oder bei Agroscope, eine Fachgruppe "Pflanzenbauliche Boden-Ingenieurwissenschaft" gebildet und finanziert werden.
Ich danke Ihnen für die Unterstützung der Motion.