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Graf Maya · Ständerat · 2021-06-17

Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2021-06-17

Wortprotokoll

Gerne möchte ich Ihnen kurz erläutern, warum es wichtig ist, dieses Postulat trotz der leider ablehnenden Empfehlung des Bundesrates anzunehmen.

Welches ist das Handlungsfeld, das ich gerne mit einem Bericht des Bundesrates aufgezeigt haben möchte? Der Bundesrat wird ersucht aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Covid-19-Krise, die Klimakrise und vor allem die beschleunigte Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt und die Berufsbildung haben, und zwar speziell für Branchen, die unter dem Strukturwandel leiden. Der Bericht soll also Perspektiven für eine innovative Berufsfeldentwicklung aufzeigen. Es gibt ja bereits Initiativen, die auch der Bundesrat in seiner ausführlichen Antwort, die ich herzlich verdanke, aufzeigt: Wir haben die Strategie Digitale Schweiz, wir haben die Initiative Berufsbildung 2030, wir haben die Energiestrategie 2050, und wir haben viele, viele andere Initiativen und auch Forschungsprogramme, die der Bundesrat in seiner Antwort aufführt. Diese sollen und müssen aber zusammengebracht werden, um sie eben auf die Zukunft gerichtet synergetisch weiterentwickeln und um zukunftsfähige Berufsfelder schaffen zu können.

Ich möchte, geschätzter Herr Bundespräsident, gerne auf Ihre Antworten eingehen. Sie führen zu Recht - und das ist eine sehr erfreuliche Tatsache - die vielen nationalen Forschungsprogramme auf, die in den letzten Jahren, gerade auch noch im letzten Jahr, im Bereich beispielsweise von Covid-19 oder, wie wir gehört haben, Big Data aufgegleist [PAGE 716] wurden. Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass uns diese durchaus wichtigen und sinnvollen Forschungsprogramme erst in den nächsten vier, fünf Jahren Ergebnisse bringen können. Die Ergebnisse zum Thema "Nachhaltige Wirtschaft" beispielsweise werden erst in drei bis vier Jahren zur Verfügung stehen. Das NFP 75, "Big Data", wird uns weder explizit noch im Forschungsprogramm erkennbar einen direkten Bezug zum Arbeitsmarkt und zur Zukunft der Berufsbildung geben können.

Die Auswertungen der diversen Studien aus dem internationalen Bereich werden zwar durch die betroffenen Branchen mit Blick auf den Arbeitsmarkt und seine Entwicklungen aufgenommen und interpretiert werden. Das schlagen Sie auch vor. Massgebend werden sie indes nur für besondere arbeitsmarktliche Verhältnisse in der Schweiz sein, nicht aber für eine synoptische Sicht, die, wie ich es fordere, die aufgeführten drei wichtigsten Zukunftsthemen miteinander vernetzen würde. Beim Bericht geht es nämlich um eine pragmatische Zusammenfassung der verschiedenen bis dato gewonnenen Erkenntnisse, die sich aus dem Zusammenspiel der Erfahrungen aus der Pandemie, des dadurch ausgelösten und forcierten Digitalisierungsschubs und natürlich der Umsetzung des Klimaabkommens von Paris ergeben.

Beispielhaft möchte ich fragen: Wie wird sich die Verlagerung von Arbeitsplätzen in das Homeoffice mittelfristig auf die betrieblichen Strukturen und Strategien auswirken? Wie werden sich die Rekrutierungsstrategien und das Outsourcing auf die Mobilität auswirken? Welchen Schub wird das für die Digitalisierung, aber eben auch für die nachhaltige Mobilität bringen? Wie kann die Transformation hin zu zukunftsträchtigen Berufsfeldern erfolgen? Nehmen wir das Beispiel der Arbeitsplätze, die in den nächsten Jahren in der Flugbranche abgebaut werden. Das wird dazu führen, dass diese Berufsleute in Zukunft neue Berufsfelder finden müssen.

Die Fragestellung des Postulates lautet: Wie können Initiativen wie Digitale Schweiz, Berufsbildung 2030 und die Energiewende zusammen mit den Kantonen synergetisch weiterentwickelt werden? Dabei geht es nicht einfach nur um die Replizierbarkeit vorhandener Analyseergebnisse von Trendforschungsstrategien, sondern um konkrete Synergien und Initiativen, die daraus entstehen könnten. Das ist sehr wichtig, weil wir hier ja jetzt vieles gelernt haben, auch bezüglich der hoffentlich bald eintretenden Post-Covid-19-Lage. Es handelt sich um ein Zusammenspiel zwischen diesem Technologieumbruch - die Digitalisierung ist, das nehmen wir einmal so an, wahrscheinlich epochal -, der durch den Klimawandel ausgelösten, langfristig wirksamen Strukturkrise, die wir zu bewältigen haben, und der kurzfristig einschneidenden Pandemie. Ein Bericht zu diesem Paradigmenwechsel und dem Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wäre sehr sinnvoll, um die Berufsfelder gemeinsam für die Zukunft zu entwickeln.

Ich möchte Sie daher bitten, dieses Postulat anzunehmen, weil es ein wichtiges Puzzlestück zur Ergänzung der vielen Forschungsprogramme und Initiativen darstellt, die schon unterwegs sind.