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Graf Maya · Ständerat · 2021-09-20

Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2021-09-20

Wortprotokoll

Wir hören es in den verschiedenen Voten in dieser Diskussion: Es ist eine ethische Debatte, die wir führen und die wir führen müssen. Wie auch immer wir uns entscheiden, es ist und bleibt ein ethisches Dilemma. Es gibt zwei verschiedene Interessen oder grundsätzliche Rechte, die wir abwägen müssen. Wir müssen gemeinsam einen gangbaren Weg suchen. Auf der einen Seite steht das Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit, auch und gerade in der letzten Lebensphase, bei einem Sterbenden. Auf der anderen Seite steht das Recht derjenigen Menschen, welche ohne eine Organspende nicht überleben [PAGE 871] können: ihr Recht auf Gesundheit, auf Lebensqualität und darauf, eine Chance zu haben.

Für mich ist es wichtig, dass die Transplantation und der Entscheid, seine Organe zur Verfügung zu stellen, ein persönlicher Entscheid bleibt. Mir ist auch wichtig, dass dieser Wille festgehalten werden kann, aber nicht muss. Das heisst, mit dem Modell und der Gesetzesgrundlage des indirekten Gegenvorschlages haben wir meiner Meinung nach einen vertretbaren Weg gefunden. Die erweiterte Widerspruchslösung lässt den Menschen die Freiheit, sich bewusst dafür zu entscheiden, aber auch die Freiheit, sich nicht damit befassen zu müssen. Dann sind es die Angehörigen oder eine bezeichnete Person, die im Sinne des Verstorbenen entscheiden können. Auf der anderen Seite haben wir mit dieser Lösung die Chance, dass sich mehr Personen im Verlaufe ihres Lebens mit einer Organspende auseinandersetzen und ihre Entscheidung auch festhalten.

Daher werde ich die Volksinitiative nicht unterstützen; sie geht mir zu weit, weil sie zu eng gefasst ist. Ich werde auf den indirekten Gegenvorschlag eintreten, der uns meiner Meinung nach in dieser schwierigen Güterabwägung einen gangbaren Weg zeigt, um beiden Seiten gerecht zu werden.