Gutjahr Diana · Nationalrat · 2021-09-21
Gutjahr Diana · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-09-21
Wortprotokoll
Sie haben es gehört: Die Postulantin verlangt, dass ein Bericht erarbeitet wird, der eine geschlechtsspezifische Budgetanalyse der Abteilung "Jugend und Sport" im Bundesamt für Sport macht. Als Basis des Vorstosses dient eine Studie aus dem Jahr 2000, die ergeben hatte, dass Männer von "Jugend und Sport" mit rund 30 Millionen subventioniert wurden und Frauen mit 18 Millionen Franken.
Ich lehne diesen Vorstoss ab, da er zu einem erneuten Bericht mit sehr vielen Seiten, mit sehr viel Papier führen würde. Es ist ein Auftrag, der in erster Linie die Verwaltung damit beschäftigt, Zahlen zusammenzusuchen und auszuwerten, mit dem aber kein Mehrwert generiert wird.
Der Bundesrat kam 2015 zum gleichen Ergebnis und empfahl damals den gleichlautenden Vorstoss zur Ablehnung, mit der Begründung, dass sich eine geschlechtsspezifische Budgetanalyse nicht aufdränge; die Verteilung der Mittel im Bereich von "Jugend und Sport" erfolge nach klaren rechtlichen Vorgaben. Jede qualifizierte Trägerschaft eines Kurses oder Lagers, die ein Angebot in den zugelassenen Sportarten mache, habe Anspruch auf die Ausrichtung von klar umschriebenen Subventionsleistungen. Bei diesen Leistungen differenziert man nicht zwischen den Geschlechtern - und das ist auch richtig so.
Es irritiert mich deshalb schon etwas, dass der Bundesrat die Situation jetzt komplett anders beurteilt. Ich frage mich, ob man allenfalls die rechtlichen Vorgaben umgeht. Falls dem so wäre, müsste man den Subventionsbereich genauer unter die Lupe nehmen und einen anderen Vorstoss prüfen.
Es darf aber auch festgehalten werden, dass Untersuchungen aus den vergangenen Jahren eher ein düsteres Bild gezeigt haben und dass Sportaktivitäten - unabhängig vom Geschlecht - nach dem 13. Lebensjahr kontinuierlich abgenommen haben. Der Abwärtstrend, der sich im Sportverhalten dieser Altersgruppe zwischen 2008 und 2014 abgezeichnet hatte, konnte aber in der Zwischenzeit gestoppt werden. Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren haben ihre Sport- und Bewegungsaktivitäten zwischen 2014 und Anfang 2020 gesteigert. Der Anteil an sportlich Aktiven hat zugenommen, und auch die Geschlechterunterschiede haben sich seit 2014 reduziert. Dennoch weisen die Knaben und jungen Männer auf sämtlichen Altersstufen weiterhin eine höhere Sportaktivität auf.
Im Zentrum steht also nicht die geschlechtsspezifische Budgetverteilung, sondern die Tatsache, dass sich Jugendliche - unabhängig von ihrem Geschlecht - mehr bewegen und aktiver sein sollten, insbesondere auch in Vereinen. Vergessen wir nicht, innerhalb von 25 Jahren hat sich der Anteil der adipösen Menschen verdoppelt, und das stellt eine grosse Herausforderung für das Gesundheitssystem und die Prävention dar.
Bundesrätin Viola Amherd sagte Anfang September an einer Medienkonferenz, die Erkenntnisse des Kinder- und Jugendberichtes seien eine wichtige Bestätigung der vom Bund ergriffenen Fördermassnahmen. Dazu gehörten etwa die Senkung des Mindestalters bei "Jugend und Sport" oder die finanzielle Unterstützung des freiwilligen Schulsports. Schlussendlich werden die "Jugend und Sport"-Gelder also nach dem geltenden Subventionsgesetz verteilt und nicht nach dem Geschlecht oder nach anderen Kriterien.
Ich bitte Sie deshalb, das Postulat abzulehnen, damit sich die Verwaltung um die Umsetzung der ergriffenen Massnahmen kümmern kann. Gemäss Matthias Remund gilt "Jugend und Sport" als "ein Gütesiegel für Qualität in der Sportausbildung". So soll es auch bleiben.