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Friedl Claudia · Nationalrat · 2021-12-15

Friedl Claudia · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-12-15

Wortprotokoll

In der Schweiz werden gemäss einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften rund 80 bis 90 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Produktion von Tierprodukten verwendet. Von den rund 400[NB]000 Hektaren Ackerfläche werden 40 bis 60 Prozent für den Futtermittelanbau verwendet. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um alle Nutztiere in der Schweiz zu füttern. Vor allem eiweiss- und energiereiches Kraftfutter wird im grossen Stil importiert. Rund ein Sechstel des Futters kommt aus ausländischem Anbau. Diese Futtermittelproduktion ist schädlich für das Klima und die Biodiversität, weil immer noch Regenwald dafür abgeholzt wird, z.[NB]B., um Soja anzubauen. Bei der Haltung grosser Tierherden gibt es einen deutlich höheren Antibiotika-Einsatz. Wir haben gerade in der letzten Beratungsrunde viel über Antibiotika gesprochen. Wir wissen auch, dass heute der Einsatz reduziert wird; das ist gut, aber wir sind leider noch lange nicht am Ende der Entwicklung. Der Antibiotika-Einsatz muss noch weiter sinken.

83 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Landes weltweit produzieren 18 Prozent der Kalorien für die Menschheit. Da sehen wir es, da zeigt es sich: Die ganze Menschheit können wir längerfristig nur ernähren, wenn wir unsere Nahrungsmittel zu einem grossen Teil auf pflanzliche Produkte umstellen. Die Initiative geht das Problem an. Es werden nicht nur gute Standards für das Tierwohl gefordert, sondern eben auch weniger Tiere pro Fläche. Weniger und dafür gesündere Tiere mit Auslauf führen zu weniger Antibiotika-Einsatz und einer Reduktion von Kraftfutter und damit geringeren Nährstoffemissionen. Dies vermindert auch die heutigen negativen Folgen für Boden, Wasser, Klima und Biodiversität.

Dass Handlungsbedarf besteht, hat auch der Bundesrat gezeigt und hat einen direkten Gegenvorschlag präsentiert, der nun aber von der Kommissionsmehrheit abgelehnt wird. Das ist unverständlich, bringt dieser doch deutliche Verbesserungen für die Tiere. Zum einen würden endlich alle Tiere Auslauf und ein Anrecht auf tierfreundliche Unterbringung und Pflege erhalten. Wo das heute bereits der Fall ist, braucht es gar keine Änderung, aber wir wollen, dass möglichst viele, ja alle Betriebe in diese Richtung gehen. Zum andern nimmt der Gegenvorschlag auch die schonende Schlachtung auf - ein wichtiges Thema, das endlich auch umfassend angegangen werden muss. Einzig die Importauflagen nimmt der Bundesrat im direkten Gegenvorschlag nicht auf. Das ist schade. Wir wissen alle, dass der Preisdruck von ausländischem Fleisch aus Billigproduktion zulasten des Tierwohls geht. Diese Forderung kann aber mit dem Minderheitsantrag Grossen Jürg auch in den Gegenvorschlag des Bundesrates aufgenommen werden.

Ich unterstütze den direkten Gegenvorschlag des Bundesrates, um den nächsten Schritt bei den Tierhaltungsstandards in der Schweiz zu gehen. Ich unterstütze aber auch den Rückweisungsantrag an die Kommission zur Ausarbeitung eines indirekten Gegenvorschlags auf Gesetzesstufe. Dann könnten die notwendigen Vorgaben für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung direkt erarbeitet werden.

Sollte die Mehrheit dieses Rates keinen Gegenvorschlag beschliessen, werde ich die Initiative unterstützen. Ich bin überzeugt, die Bevölkerung will verbindliche, gute Entwicklungen beim Tierwohl. Die Initiative gibt diesem Prozess 25 Jahre Zeit. Dadurch werden keine Hauruckaktionen notwendig sein, sondern es kann eine gezielte Entwicklung stattfinden.