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Glanzmann-Hunkeler Ida · Nationalrat · 2021-12-15

Glanzmann-Hunkeler Ida · Nationalrat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-12-15

Wortprotokoll

Ich bin zwar auf einem Bauernhof aufgewachsen, aber ausser dass mein Bruder diesen Hof noch bewirtschaftet, habe ich keine aktiven Verbindungen zur Landwirtschaft mehr, dies, obschon ich im tierintensiven Kanton Luzern lebe. Für unsere Landwirte ist die Landwirtschaft die Existenzgrundlage.

Hier im Rat äussere ich mich ganz besonders als Konsumentin zu dieser Initiative. Als Konsumentin habe ich heute eine Vielfalt von Labels zur Auswahl, zwischen denen ich mich entscheiden kann. Zudem kann ich in meiner Metzgerei vor allem Fleisch aus der Region kaufen. Ich weiss auch als Konsumentin, dass wir heute eine strenge Tierschutzgesetzgebung mit einer Höchstbestandesverordnung zur Tierhaltung haben. Ich frage mich, ob und wie wir bei weiteren Einschränkungen die Produktion von Fleisch und Eiern für die Selbstversorgung der Schweiz gewährleisten können. Den aktuellen Tierbestand mit dem Bau neuer Gebäude zu erhalten, ist bei der restriktiven Haltung gegenüber Neubauten in der Landwirtschaftszone wohl ziemlich unrealistisch.

Ich habe mich informieren lassen. Man sagte mir, dass schon heute rund 35 Prozent des Verkaufs von Schweinefleisch auf Labels basieren. Die Konsumenten nehmen einen Mehrpreis in Kauf, denn sie haben heute die Wahl. Bei einer Annahme dieser Initiative hätten wir als Konsumentinnen und Konsumenten keine Wahl mehr. Es gäbe ganz einfach nur noch Biofleisch. Das werden sich kaum alle leisten können.

Die Alternative ist dann klar: Es wird Fleisch aus dem Ausland importiert, denn nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten werden auf den Fleischkonsum verzichten wollen. Wenn man dann bei diesen Produkten, beim Import an den Bedingungen der Schweizer Produktion festhält, ist dies WTO-widrig. Importe würden also allein aus diesem Grund als Alternative schon mal wegfallen. Eine andere Alternative ist der Einkaufstourismus. Schon heute stehen die Grenzregionen massiv unter Druck, weil viele Leute im nahen Ausland billigere Produkte kaufen. Es kann kaum in unserem Interesse sein, dass wir mit diesen Einschränkungen, die die Initiative fordert, den Einkaufstourismus noch zusätzlich fördern. Für mich stimmt dieser Weg definitiv nicht.

Ich werde auch den Gegenvorschlag ablehnen, denn diese Verschärfung im Gesetz brauchen wir nicht. Das heutige Gesetz ist streng. Wenn es, mit den entsprechenden Kontrollen, richtig umgesetzt wird, dann wird es dem Tierwohl gerecht. Als Konsumentin sehe ich bei dieser Initiative keinen Mehrwert: Meine Auswahl wird eingeschränkt, die Produkte werden für alle Konsumentinnen und Konsumenten verteuert, und zudem wird die Tierhaltung bei unseren regionalen Landwirten eingeschränkt und damit auch ihre Existenz gefährdet.

Ich lehne diese unnötige und konsumenteneinschränkende Initiative und auch den dazu erarbeiteten Gegenentwurf ab.