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Strupler Manuel · Nationalrat · 2021-12-15

Strupler Manuel · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-12-15

Wortprotokoll

Obwohl wir hier über die Bedürfnisse der Tiere und ideale Herdengrössen philosophieren können, sollten wir das lieber den Fachpersonen überlassen. Viel wichtiger ist es, das Kleingedruckte und die Nebenwirkungen dieser Initiative auch ausserhalb der Landwirtschaft genauer anzuschauen. 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz - das wurde schon mehrmals erwähnt - sowie die Sömmerungsgebiete sind Grünland. Wie schon zahlreich ausgeführt, kann ein grosser Teil davon nur über die Fütterung von Wiederkäuern für die menschliche Ernährung genutzt werden; eine Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln ist dort nicht möglich. Zudem würde ohne diese Nutzung durch Tiere die Pflege dieser Flächen vernachlässigt oder unheimlich teuer. Auch zahlreiche Nebenprodukte aus der Nahrungsmittelherstellung könnten ohne Tiere nicht sinnvoll verwertet werden und würden somit zu zusätzlichem Food Waste führen.

Wir können hier also nicht von einer Konkurrenzierung der menschlichen Ernährung oder einer ineffizienten Produktion sprechen, sondern von einer guten Verwertung der vorhandenen Kalorien. Deshalb ist es der falsche Ansatz, mit dieser Initiative einmal mehr die Schweizer Bevölkerung zu bevormunden und ihr den Verzehr von gesundem Schweizer Fleisch immer mehr zu verbieten. Denn wie bei der Trinkwasser-Initiative möchten die Initianten in Wahrheit eigentlich nur unseren persönlichen Speiseplan ändern und vorschreiben, was wir zukünftig zu essen haben.

Die Initiative hätte aber nicht nur grossen Einfluss auf unseren Speiseplan und auf die Schweizer Tierhaltung, es sind auch zahlreiche vor- und nachgelagerte Bereiche stark betroffen. Ich möchte hier die Zulieferbetriebe für die Tierhaltung erwähnen, diese decken das Spektrum von der Baubranche bis hin zu den Futtermittelproduzenten ab. Aber auch die Verarbeitungsbranche - das wurde ebenfalls schon mehrmals erwähnt - würde bei der gewünschten Reduktion der Tierzahlen starke Einbussen erleiden, was auch dort zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze kosten würde.

Nicht zuletzt muss aber auch der heute bestehende Markt betrachtet werden. Bereits heute ist das Angebot an Label-Produkten höher als die Nachfrage. Als Beispiel erfüllen 60 Prozent aller Mastschweine die freiwilligen Tierwohlprogramme BTS und RAUS, welche übrigens auch die Initiative fordert. Davon kann aber leider nur die Hälfte entsprechend vermarktet werden. Wir sollten hier ehrlich zu uns selber sein: Die Schweizer Bevölkerung fordert zwar Tierwohl, ist aber nicht bereit, dafür mehr zu bezahlen. Wir sprechen hier nicht von einem Problem der Tierhaltung, sondern müssen von einem gesellschaftlichen Problem sprechen. Gerne haben alle eine heile Welt, aber niemand will sich persönlich einschränken. Dass man bei diesen Träumereien einmal mehr unseren fleissigen Bauernfamilien den schwarzen Peter zuschiebt, finde ich unehrlich und eine Frechheit.

Die Initiative setzt am falschen Ort an und ist nicht zielführend. Sie wird einzig und allein zu mehr Fleischimporten führen. Gerade bei uns im Thurgau als Grenzkanton wird der Einkaufstourismus zunehmen, was übrigens dem ganzen Detailhandel schadet. Zudem haben wir auf die ausländische Produktion weder bezüglich der Haltung noch bezüglich der Verarbeitung oder der langen Transportwege Einfluss. Auch die Tierschutzvorschriften sind in allen Ländern schlechter als in der Schweiz.

Alle, die das nicht wollen, sagen deshalb klar Nein zu dieser radikalen Initiative und zu allen möglichen Gegenvorschlägen und setzen damit ein Zeichen gegen die grüne Verpolitisierung der Landwirtschaft zu eigenen politischen Zwecken.

[VS]