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Suter Gabriela · Nationalrat · 2022-03-17

Suter Gabriela · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-03-17

Wortprotokoll

Wir haben vor gut einer Woche ausgiebig über die Gletscher-Initiative und das Netto-null-Ziel der Schweiz gesprochen. Ich freue mich über das deutliche Bekenntnis unseres Rates, bis spätestens 2050 aus den fossilen Energien auszusteigen. Wenn wir in Zukunft auf Öl und Gas verzichten, wird unser Strombedarf zunehmen. Deshalb müssen wir die Stromversorgungssicherheit stärken. Das können wir tun, indem wir die erneuerbaren Energien nun rasch ausbauen.

Neben der Wasserkraft wird die Fotovoltaik der zweite Pfeiler der sicheren einheimischen Stromversorgung sein; so sehen es die Energieperspektiven 2050 plus vor. Potenzialabschätzungen des Bundesamtes für Energie zeigen, dass wir genügend Flächen haben, um mit Fotovoltaik auf über 100 Terawattstunden pro Jahr zu kommen. Nur schon auf Dächern und Fassaden von bestehenden Bauten könnten wir mehr Strom produzieren, als die Schweiz heute verbraucht. Wasserkraft, Wind und Fotovoltaik ergänzen sich optimal und sorgen in ihrem Zusammenspiel für die nötige Versorgungssicherheit - auch im Winter.

Damit dies gelingt, muss die Fotovoltaik bis 2050 auf 45 Terawattstunden Strom kommen und somit 15-mal mehr Strom liefern als heute. Wie das möglich ist, hat der Branchenverband Swissolar, dessen Vizepräsidentin ich bin, kürzlich in einem 11-Punkte-Plan aufgezeigt. Um diesen Zubau zu tätigen, braucht es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten enorme Mengen an Fotovoltaikmodulen. Diese werden heute zum grössten Teil in China produziert. Auch in der Schweiz stammt deutlich mehr als die Hälfte der eingesetzten Module aus China. Die wenigen Modulproduzenten aus der Schweiz und der EU sind zudem vom chinesischen Quasimonopol auf Polysilizium und Wafers betroffen.

Dies war nicht immer so. Bis vor zehn Jahren waren europäische Länder wie Deutschland, Italien und Spanien weltweit die wichtigsten Fotovoltaikmärkte. Dies hatte auch positive Effekte auf die Forschungs- und Produktionsstandorte in Europa. 2009 wurde ein Drittel der Fotovoltaikmodule in Europa produziert. 2010 hat sich dies schlagartig geändert. Seit dann nämlich fördert der chinesische Staat die Fotovoltaikindustrie im eigenen Land massiv, was zum Zusammenbruch der europäischen Industrie führte. Die darauf folgende massive Abhängigkeit von China ist mehrfach problematisch: natürlich aus Gründen der Versorgungssicherheit bei der wichtigsten Stromquelle der Zukunft, aufgrund der Berichte über Zwangsarbeit in der chinesischen Siliziumindustrie und aus Klimaschutzgründen, wegen des Einsatzes[NB]von[NB]billigem[NB]subventioniertem Kohlestrom bei der Siliziumherstellung in China und wegen des langen Transportweges.

Die EU hat diese Probleme erkannt und Massnahmen ergriffen, um den Wiederaufbau der europäischen Solarindustrie zu fördern. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges hat die Abhängigkeitsproblematik weiter an Bedeutung gewonnen. Die EU-Kommission will gemäss einem kürzlich verabschiedeten Strategiepapier den Wiederaufbau der Solarindustrie in Europa beschleunigen und die Wiederansiedlung der Fotovoltaikproduktion fördern. [PAGE 523]

Die Schweiz als wichtiger und langjähriger Forschungsstandort für Fotovoltaik könnte dabei ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten, insbesondere bei der anwendungsorientierten Forschung und Innovation. Gerade bei der Integration von Solaranlagen in die Gebäudehülle, also beispielsweise bei In-Dach-Anlagen, wo Fotovoltaik die Ziegel ersetzt, und bei der Fassadenintegration, ist die Schweiz jetzt schon führend. Die Nachfrage wird sich in den nächsten Jahren stark erhöhen. Ich denke dabei auch an die ganz zentrale Forschung zu Speichermöglichkeiten für Fotovoltaikstrom. Auch braucht es Innovationen beim Einsatz von Fotovoltaik in der Landwirtschaft, wo sie neben der Energieproduktion auch gleich noch dem Schutz von Gemüse- und Obstkulturen dienen könnte.

Der Bundesrat soll deshalb in einem Bericht aufzeigen, wie die Schweiz insbesondere die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Solarenergie fördert und was die Schweiz noch verstärkt tun könnte, um ihre Position als Wissens- und Innovationsvorreiterin im Fotovoltaikbereich weiter auszubauen und damit zur Stärkung der europäischen Solarindustrie beizutragen.

Es freut mich, dass der Bundesrat bereit ist, mein Postulat leicht modifiziert entgegenzunehmen, und ich bitte Sie, dem Antrag des Bundesrates zu folgen und mein Postulat anzunehmen.