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Kutter Philipp · Nationalrat · 2022-03-17

Kutter Philipp · Nationalrat · Zürich · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-03-17

Wortprotokoll

In der Kulturbotschaft 2021-2024 wird im Bereich der kulturellen Teilhabe als Ziel "die Chancengleichheit für Frauen und Männer im Kulturbereich" genannt. Dies ist ein gemeinsames Ziel des [PAGE 564] Bundesamts für Kultur und von Pro Helvetia. Erreicht werden soll eine angemessene Vertretung der Geschlechter in allen relevanten Bereichen.

Es gibt Anzeichen, dass das nicht automatisch passieren wird. Um den konkreten Handlungsbedarf festlegen zu können, braucht es aber statistische Erhebungen. Dazu wurden Vorarbeiten geleistet, im Bereich Film durch das Bundesamt für Kultur, in anderen Bereichen durch Pro Helvetia. Einige Erkenntnisse daraus sind: Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der untersuchten Kulturhäuser und -betriebe liegt bei 42 Prozent. Das ist grundsätzlich ein guter Wert. Das Bild ändert sich aber, wenn man genauer hinschaut. Direktionen, Vizedirektionen und Intendanzen werden nur zu einem Drittel mit Frauen besetzt, mit markanten Unterschieden und Ungleichgewichten zwischen den Sparten. In den künstlerischen Leitungsfunktionen sowie als Urheberinnen von künstlerischen Werken sind Frauen zudem stark in der Unterzahl. Nur in 31 Prozent der in der Studie untersuchten Theaterproduktionen führten Frauen Regie, in lediglich 7 Prozent der Konzerte stehen sie am Dirigentenpult. Nur 15 Prozent der aufgeführten Theaterstücke sind von Autorinnen verfasst, Komponistinnen kommen nur in 2 Prozent der Fälle zum Zug. Auch bei Live-Auftritten auf Konzert- und Theaterbühnen, bei Lesungen oder Ausstellungen sind Frauen weniger sichtbar als Männer.

Zusammengefasst kann man sagen: Es sind klare Tendenzen ersichtlich, aber das Bild ist noch nicht vollständig. So weiss man beispielsweise noch zu wenig über die Anzahl Kulturschaffende in der Schweiz, über ihre Einkommensverhältnisse und Arbeitsmodelle.

Die Mehrheit der WBK-N beantragt Ihnen aus diesem Grund, den Bundesrat zu beauftragen, eine systematische Datenerhebung in den einzelnen Sparten und Institutionen des Kultursektors durchzuführen. Sie sieht das als nächsten Schritt, um die Ziele aus der bereits verabschiedeten Kulturbotschaft zu erreichen.

Eine Minderheit der Kommission steht der geplanten Datenerhebung kritisch gegenüber. Sie anerkennt zwar das Ziel, die Chancengleichheit zu verbessern, wie dies in der aktuellen Kulturbotschaft verankert ist, hält die Erhebung aber nicht für nötig. Sie argumentiert, es gebe bereits Kulturstatistiken, mit denen gewisse Aussagen getätigt werden könnten, und es gebe andere Vorstösse, die das gleiche Ziel verfolgten. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Motion Herzog Eva 20.3588, "Verbesserung der Datenlage bezüglich Auswirkungen auf die Geschlechter". Mit dieser Motion wird der Bundesrat beauftragt sicherzustellen, dass die massgebenden Statistiken und Studien des Bundes nach Geschlechtern aufgeschlüsselt dargestellt werden.

Die Mehrheit der WBK-N ist der Meinung, dass die Situation im Bereich der Kultur mit einer separaten Erhebung genauer angeschaut werden soll, und empfiehlt Ihnen daher, das Postulat anzunehmen. Die Abstimmung in der Kommission fiel mit 11 zu 10 Stimmen bei 1 Enthaltung knapp aus.

Im Namen der Kommissionsmehrheit lade ich Sie ein, das Postulat anzunehmen.