von Siebenthal Erich · Nationalrat · 2022-05-11
von Siebenthal Erich · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-05-11
Wortprotokoll
Mit dieser Motion möchte ich den Bundesrat beauftragen, die Beratung von Frauen mit Problemschwangerschaften zu optimieren und zu verstärken. Leitgedanke des Vorstosses war, schwangere Frauen besser über schädliche Folgen einer Abtreibung zu informieren. Sehr [PAGE 757] viele Frauen leiden früher oder später darunter, ein Kind abgetrieben zu haben. Dieses Leiden könnte teilweise verhindert werden, wenn die Frauen ganzheitlich beraten würden.
In der Stellungnahme zur Motion führt der Bundesrat aus, dass er keinen Handlungsbedarf sehe. Die Regierung verweist auf ausreichende Leitlinien für Beratungsgespräche, die im Protokoll der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe definiert seien. Dieses Protokoll spricht aber in aller Klarheit von möglichen Kurz- und Langzeitkomplikationen im körperlichen und im seelischen Bereich, die nach einem Schwangerschaftsabbruch auftreten können. Das Protokoll erwähnt zudem, dass sich der Umgang mit Schuld und Schuldgefühlen verändern könne.
Es ist positiv, dass sich der Kenntnisstand der Landesregierung in dieser Sache seit 2019 leicht verbessert hat. In der Antwort auf meine Interpellation 19.3754 schrieb der Bundesrat nämlich noch, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsabbrüchen und späteren psychischen Problemen. Unsere Regierung stützte sich damals auf die heftig umkämpfte "Turnaway Study" der University of California. Die Studie war von Abtreibungsaktivisten durchgeführt worden und nach ihrer Publikation heftig unter Beschuss geraten.
In der Stellungnahme zur Motion anerkennt die Landesregierung durch den Hinweis auf das erwähnte Protokoll, dass es zu schmerzlichen Abtreibungsfolgen kommen kann. Der Bundesrat zeigt sich sogar fürsorglich und schreibt, schwangere Frauen hätten das Anrecht auf kostenlose Beratung und Unterstützung durch eine Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit und Familienplanung.
Wer nun davon ausgeht, dass der Bundesrat seine Haltung geändert habe und sich nun bemühe, diesen Frauen zusätzliche Unterstützung zukommen zu lassen, sieht sich erneut getäuscht. Die Regierung hat nämlich die Führung der schweizerischen Schwangerschaftsberatungsstelle der Stiftung Sexuelle Gesundheit Schweiz übertragen. Diese Organisation hat die Abtreibung unwillkommener Kinder ganz oben auf ihre Traktandenliste gesetzt. Diese Stiftung rühmt sich, akkreditiertes Mitglied der International Planned Parenthood Federation zu sein, der grössten Abtreibungsorganisation der Welt. Wie die Organisation Sexuelle Gesundheit Schweiz schwangere Frauen in Notsituationen berät, ist daher naheliegend. Das ungeborene Kind hat keinen überzeugten Sachwalter seines Rechts auf Leben, und die werdende Mutter bekommt nicht die umfassenden Informationen, die sie befähigen würden, eine bestmögliche Entscheidung für ihre Zukunft zu treffen. Wenn der Bundesrat der Organisation Sexuelle Gesundheit Schweiz auch weiterhin die landesweite Beratung von schwangeren Frauen in Not anvertraut, stellt sich mir schon die Frage, welche Priorität dem ungeborenen Kind zukommt.
Unterstützen Sie daher meine Motion, damit die Beratung von Frauen mit Problemschwangerschaften wirklich verstärkt werden kann.