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Regazzi Fabio · Nationalrat · 2022-06-09

Regazzi Fabio · Nationalrat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-06-09

Wortprotokoll

Die Motion fordert, dass die in der Verfassung verankerte Unschuldsvermutung als Untersuchungsgrundsatz auch im Kartellgesetz in allen Fällen Anwendung findet. Der Motionär begründet sein Anliegen wie folgt:

Im gerichtlichen Verfahren sind die Rollen klar verteilt. Die Polizei führt die Ermittlungen durch, sie sammelt sowohl entlastende als auch belastende Fakten und Indizien. Die Staatsanwaltschaft bringt das Verfahren zur Anklage und [PAGE 1062] konzentriert sich auf das belastende Material. Der Verteidiger hingegen fokussiert auf das entlastende Material. Ein unabhängiges Gericht entscheidet unabhängig im Licht der von beiden Seiten vorgelegten Materialien. Bis zum Entscheid des Gerichts bleibt die Unschuldsvermutung bestehen.

Beim Kartellverfahren ist es nicht so. Das Sekretariat der Wettbewerbskommission führt die Untersuchung allein. Gemäss dem Untersuchungsgrundsatz hat das Sekretariat als solches den Untersuchungsgrundsatz anzuwenden, d. h., es hat von sich aus Belastendes und Entlastendes zu untersuchen. Das ist der Fall, weil die Wettbewerbsbehörde vor allem gestützt auf die Untersuchung ihres Sekretariats entscheidet. Die involvierten Parteien haben also nicht das gleiche Gehör, wie es bei einem Gericht der Fall ist.

Das Problem ist: Immer häufiger untersucht das Sekretariat der Wettbewerbskommission nur belastendes Material und überlässt die Beweisführung über die Entlastung den involvierten Parteien selber. Das ist gleich aus zwei Gründen problematisch: Erstens entscheidet die Kommission zusammen mit ihrem Sekretariat, also nicht wie ein unabhängiges Gericht. Zweitens verletzt dieses Vorgehen den Untersuchungsgrundsatz und führt so eine Beweislastumkehr ein.

Les exemples des années précédentes montrent que ni son secrétariat ni la Comco ne recherchent et ne prennent suffisamment en compte les éléments à décharge. En plus, la Comco introduit des nouvelles règles qui ne sont pas prévues par la loi. La notion d'accord global, par exemple, n'existe pas dans la loi suisse sur les cartels et contredit le principe de la présomption d'innocence. Selon la loi, la Comco doit rassembler non seulement des informations à charge mais aussi à décharge pour une enquête et apporter la preuve complète de la culpabilité d'une entreprise. C'est le but de la motion.

Votre Commission de l'économie et des redevances est favorable à la motion. Le principe de l'enquête est élémentaire dans la loi sur les cartels. Il ne doit pas être violé pour des raisons d'économie de procédure. Les entreprises impliquées dans une procédure selon la loi sur les cartels doivent être considérées comme innocentes tant que leur délit n'a pas été prouvé. C'est à l'autorité d'apporter cette preuve en mettant en balance les éléments à charge et à décharge.

Une minorité de la commission estime que cette motion n'est pas nécessaire étant donné que les droits et obligations des personnes impliquées dans la procédure sont déjà clairs et fixés dans les lois correspondantes. De plus, les parties concernées peuvent suivre la procédure judiciaire normale. Cette minorité vous recommande donc de rejeter la motion.

Im Namen der Mehrheit der WAK-N bitte ich Sie daher, für den Untersuchungsgrundsatz und die Unschuldsvermutung und damit auch für diese Motion zu stimmen.

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