Würth Benedikt · Ständerat · 2022-09-15
Würth Benedikt · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-09-15
Wortprotokoll
Zur Ausgangslage ist jetzt sehr viel gesagt worden. Wir haben langfristige Herausforderungen, wir haben kurzfristige Herausforderungen. Sie kennen die Empfehlung der Elcom, dass wir in der Winterstromsituation nicht über 10 Terawatt importieren sollten, weil wir sonst Stress haben. Diesen Stress hatten wir in den Winterhalbjahren 2016/17 und 2020/21. Das hat eigentlich nichts mit der Ukraine-Situation zu tun.
Hier setzt das Konzept Ihrer Kommission zu diesem Artikel an. Dieses Konzept ist bestechend, ich gratuliere der Kommission für diese Schritte. Es ist quasi parlamentarisches Notrecht, um rasch das Ziel zu erreichen. Das ist unabdingbar, und den Kritikern ausserhalb dieses Saals sage ich: Muss uns zuerst der Strom ausgehen, bis uns ein Licht aufgeht? Wir müssen jetzt handeln. Dieses faktische Notrecht setzt Rahmenbedingungen: ein Zubauziel von 2 Terawatt, ein Winterstromanteil von 45 Prozent - das ist alles gut - und eine Leistung von 20 Gigawatt.
Hier, bei diesem letzten Wert, setzt mein Antrag an, weil ich der Überzeugung bin, dass er zu hoch ist. Mit einer Senkung können wir das Ziel rascher erreichen, und das muss unser zentrales Interesse sein. Es gibt in diesem Rat ja nicht viele Ingenieure, darum ist es auch schwierig, sich 20 Gigawatt konkret vorzustellen. Anhand bekannter Projekte lässt sich aber eine Annäherung machen, ich nenne im Folgenden drei Beispiele.
1.[NB]Seit Ende August 2022 läuft auf 2500 Metern über Meer, an der Muttsee-Staumauer im Glarnerland, die aktuell grösste alpine Solaranlage der Schweiz. Leistung: 3,3 Gigawatt - 5000 Solarpanels, 10[NB]000 Quadratmeter, das sind etwa 1,5 Fussballfelder. Das ist die Ausgangslage, das ist die aktuell grösste Anlage, die wir haben.
2.[NB]Das gescheiterte Projekt im stillgelegten Steinbruch Schnür in Quinten im Sarganserland - in meinem Kanton, darum habe ich auch einen direkten Bezug zu diesem Thema[NB]-: 80[NB]000 Quadratmeter, etwa 11 Fussballfelder, 12 Gigawatt.
3.[NB]Ich gehe jetzt ins Unterland: 2013 wurde auf den Dächern des Migros-Verteilzentrums Neuendorf die grösste Solaranlage - ich weiss nicht, ob sie das immer noch ist - in Betrieb genommen. Die Anlage wurde zwischenzeitlich auf rund 40[NB]000 Quadratmeter erweitert. Die Produktionsleistung beträgt 6,5 Gigawattstunden.
Was zeigt das? Selbst wenn wir den Schwellenwert auf 10 Gigawatt senken, ist das immer noch - das muss ich unterstreichen - ausserordentlich ambitiös. Die Lücke zum Zielwert von 2 Terawattstunden ist erheblich. Vor diesem Hintergrund ist es zentral, dass wir hier diese Justierung machen.
Was ist der Effekt? Alle haben vorhin von Beschleunigung gesprochen. Auch Bundesrätin Sommaruga hat die Beschleunigung, die diesem Konzept hier inhärent ist, positiv gewürdigt. Mit Blick auf die kurzfristige Winterstromlücke müssen wir dieses Ziel von 2 Terawattstunden sicherer und schneller erreichen. Das ist ein enorm ambitiöses Ziel. Es ist wichtig, dass wir das mit verschiedenen Grossprojekten anstreben, nicht nur mit Grossprojekten über 20 Gigawattstunden, sondern auch mit Grossprojekten über 10 Gigawattstunden. Das ist ein immer noch sehr, sehr ambitionierter Schwellenwert.
Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, dieser Vorlage mit der Zustimmung zu meinem Einzelantrag nochmals zusätzliche Power zu verleihen.