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Brenzikofer Florence · Nationalrat · 2022-09-20

Brenzikofer Florence · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2022-09-20

Wortprotokoll

Die Initiative "für die Zukunft unserer Natur und Landschaft" will mehr Schutz für Biodiversität und Landschaft. Wir haben es mehrfach gehört: Es besteht akuter Handlungsbedarf. Mehr als ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten der Schweiz steht auf der Roten Liste. Ein Vergleich mit den OECD-Ländern aus dem Jahre 2017 zeigt, dass die Schweiz die höchste Zahl gefährdeter Arten aufweist. Auch der Bundesrat anerkennt Handlungsbedarf und will den Zustand von Biodiversität, Baukultur und Landschaft erhalten, ja gar fördern. Mit einem indirekten Gegenentwurf will der Bundesrat schweizweit genügend Schutzfläche schaffen und vernetzen, um ausreichend Tiere und Pflanzen zu sichern. Die Biodiversität soll in Siedlungsgebieten gestärkt und die Baukultur auf Gesetzesebene verankert werden.

Ich möchte in meinem Votum diesen letztgenannten Aspekt der Baukultur ein wenig beleuchten. Denn kulturelles und natürliches Erbe wie Baukultur und Landschaft hängen stark zusammen. Beide Anliegen sind Teil einer nachhaltigen Entwicklung. Sind natürliche und kulturelle Ressourcen nicht ersetzbar, verlangen sie einen ausgesprochen sorgsamen Umgang. Auf diese Weise fügt Baukultur der Idee der Nachhaltigkeit einen entscheidenden Aspekt hinzu. Eine hohe Baukultur ermöglicht Antworten auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, zu denen die Biodiversitätskrise und auch der Klimawandel gehören. Baukultur, welche die Biodiversität mitdenkt, stiftet Identität und sorgt dafür, dass wir uns an einem Ort wohlfühlen. Sie berücksichtigt die Bedürfnisse der Menschen sowie den Schutz der Umwelt und den Respekt vor ihr. Eine hohe Baukultur ist nachhaltig. Sie schont Ressourcen, fördert Fauna und Flora und trägt auch zur Kühlung im städtischen Gebiet bei.

Im Bereich der Baukultur sieht der bundesrätliche Gegenvorschlag zwei Bestimmungen vor, die Kernanliegen der Initiative aufnehmen. Die UREK-N möchte nun im Gegensatz zur WBK-N die Förderung der Baukultur aus der Vorlage streichen und mittels Kommissionsmotion in die Kulturbotschaft integrieren. Im Sinne der Initiative bitte ich Sie, der entsprechenden Motion zuzustimmen.

Eine griffige gesetzliche Verankerung dieser wertvollen Planungsgrundlagen leistet einen wertvollen Beitrag für eine qualitätsvolle Siedlungsentwicklung. Gerade in stark besiedelten Gebieten kann die Biodiversität gut gestärkt werden. Die Biodiversitäts-Initiative und der indirekte Gegenvorschlag sehen das vor. Sie stellen sich diesen grossen Herausforderungen. Täglich gehen landschaftliche und baukulturelle Werte verloren. Eine hohe Baukultur stiftet jedoch Identität, fördert das Wohlbefinden und schafft gemeinsame Werte. Ich bin überzeugt, dass das Bewahren und behutsame Weiterentwickeln von identitätsstiftenden Dörfern, Agglomerationen und Städten eine Voraussetzung für eine nachhaltige räumliche Entwicklung in der Schweiz ist.

Ich empfehle die Biodiversitäts-Initiative zur Annahme und unterstütze den indirekten Gegenvorschlag.