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Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2022-09-20

Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-20

Wortprotokoll

Schlagzeilen wie "In der Schweiz sind innert zehn Jahren ein Drittel aller Insekten verschwunden", und dies nicht nur auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, sondern auch in Wäldern und Schutzgebieten, oder "60 Prozent der Insektenarten gelten heute als gefährdet" machen mich hellhörig - und mit mir einen grossen Teil der Bevölkerung unseres Landes. Denn gemäss der aktuellsten Umweltstatistik schätzen 54 Prozent der Bevölkerung den Verlust der Biodiversität als Gefahr für Mensch und Umwelt ein. Vor sieben Jahren war der Wert noch halb so hoch. Diese Besorgnis widerspiegelt die Bedeutung der Artenvielfalt für unser Wohlbefinden und die Lebensqualität; dazu haben wir heute Morgen schon einiges gehört.

Gemäss der neusten Umweltstatistik sind in der Schweiz rund 56[NB]000 Pflanzen-, Pilz- und Tierarten bekannt. Davon wird mehr als ein Fünftel bewertet, und von diesem wiederum stehen 35 Prozent auf Roten Listen. Dies zeigt: Die Schweiz ist in Sachen Naturschutz schon lange kein Vorbild mehr. So weist unser Land im Vergleich mit anderen OECD-Ländern die höchste Zahl bedrohter Arten auf. Dies ist umso beschämender, als unser Land gerne mit intakten Natur- und Landschaftsbildern für sich wirbt. Dabei gilt: je höher die Biodiversität, desto besser die Qualität und Stabilität der Ökosysteme. Denn die Vielfalt erhöht deren Widerstandskraft und macht sie gegen äussere Einflüsse wie beispielsweise den Klimawandel oder invasive Arten stabil. Stabile Ökosysteme bilden die Voraussetzung dafür, dass die Produktion aus forstlichen, landwirtschaftlichen und auch fischereilichen Nutzungen gut gelingen kann. Gerade als Vertreterin eines Tourismuskantons kann ich sagen, dass eine intakte Natur das Grundkapital für den Tourismus bildet.

Dem dramatischen Verlust von Lebensräumen und Arten entgegenzutreten, ist eine rechtliche Verpflichtung. Der Bundesrat hat bereits vor zehn Jahren in der Strategie Biodiversität und fünf Jahre später mit dem dazugehörigen Aktionsplan festgestellt, dass der Zustand der Biodiversität unbefriedigend ist. In den letzten zwanzig Jahren konnte der Verlust der Artenvielfalt zwar gebremst, aber nicht gestoppt werden. Der Verlust an Naturkapital geht einher mit erheblichen Kosten und wirtschaftlichen Nachteilen.

Deshalb empfehle ich die vorliegende Initiative zur Annahme und bitte Sie, dem Antrag der Minderheit Schneider Schüttel zu folgen. Ich unterstütze auch den indirekten Gegenvorschlag, jedoch mit den Anträgen, welche substanzielle Massnahmen und Instrumente fordern, um der Biodiversitätskrise entschieden zu begegnen, damit eine wirkungsvolle Umsetzung der Initiative garantiert werden kann.

Abschliessend noch, da schliesse ich bei meiner Vorrednerin, Frau Brenzikofer, an, ein Wort zur Förderung der Baukultur von hoher Qualität: Diesen Bereich haben wir in der WBK ausführlich besprochen. Ich befürworte die Motion 22.3892 mit diesem Titel. Zudem bitte ich Sie, bei Artikel 12h, bei der Pflicht der Kantone, die Inventare zu berücksichtigen, der verbindlichen Formulierung gemäss Bundesrat und Kommissionsmehrheit zu folgen. Dies haben wir in unserem WBK-Bericht explizit unterstützt. Nur damit sichern wir die geforderte Rechts- und Planungssicherheit auch für die Baukultur.