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Suter Gabriela · Nationalrat · 2022-09-20

Suter Gabriela · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-20

Wortprotokoll

Meine Interessenbindung: Ich bin Präsidentin von eco.ch, einem Verein, der sich für den Schutz von Natur und Umwelt einsetzt.

Die Biodiversität leistet Ausserordentliches und ist für uns Menschen von zentraler Bedeutung. Biodiversität liefert uns unsere Nahrungsmittel. Weltweit gibt es 240[NB]000 Pflanzenarten, 60[NB]000 davon sind essbar, also jede vierte. Viele dieser Kulturpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Schwindet die Insektenvielfalt, hat dies direkte Auswirkungen auf unser Nahrungsmittelangebot.

Pflanzen, Pilze und Bakterien liefern uns aber auch Stoffe für Medikamente. Ökosysteme wie zum Beispiel der Wald filtern Luft und Wasser und stellen in der Schweiz Trinkwasser in einwandfreier Qualität zur Verfügung. Natürliche und naturnahe Bäche und Flüsse mit genügend Raum schützen uns vor Hochwasser und verhindern teure Schäden. Nicht zuletzt: Biodiversitätsschutz ist auch Klimaschutz, denn Moore und Wälder sind natürliche Speicher von CO2.

All dies ist nun in Gefahr, denn es steht schlecht um die Biodiversität in der Schweiz. Über ein Drittel der Arten ist bedroht, und das Artensterben schreitet Jahr für Jahr voran. 95 Prozent der artenreichen Trockenwiesen sind in den letzten 120 Jahren verschwunden. 60 Prozent der Insekten sind gefährdet, 40 Prozent der Brutvögel sind bedroht. Der Verlust an Biodiversität bringt unsere Ökosysteme an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wir laufen Gefahr, dass diese Systeme ihre Leistungen nur noch ungenügend oder gar nicht mehr erbringen können. Eine Trendwende ist deshalb überfällig. Ich unterstütze deshalb die Initiative und den indirekten Gegenvorschlag.

Biodiversität braucht Fläche. Die Schweiz liegt im europäischen Vergleich an letzter Stelle, wenn es um den prozentualen Anteil an Fläche für den Biodiversitätsschutz geht. Das Flächenziel des Gegenvorschlages - 17 Prozent ab 2030 - ist deshalb ein wichtiger erster Schritt. Längerfristig braucht es aber eher 30 Prozent, so sehen es die Ziele der UNO auch vor. Wir müssen die ökologischen Infrastrukturen in [PAGE 1549] der Schweiz schützen, aufwerten, wiederherstellen und miteinander vernetzen. Die Renaturierung von Feuchtgebieten und der Erhalt von naturnahen Wäldern tragen kostengünstig zum Klimaschutz bei.

Immer wieder wurde jetzt in der Debatte auf die möglichen Konflikte mit der Landwirtschaft hingewiesen. Ich bitte Sie, spielen Sie nicht die Landwirtschaft gegen die Biodiversität aus. Die beiden brauchen einander. Es ist erwiesen, dass vielfältige Ökosysteme wichtige Leistungen besser erbringen als einförmige. Wildbienen bestäuben Nutzpflanzen, Bodenorganismen sorgen für gesunde Böden, Wälder säubern Luft und Wasser, beeinflussen das Klima positiv und schützen vor Hochwasser. Wer bestäubt denn in Zukunft unsere Kulturpflanzen, wenn das Insektensterben weiter voranschreitet wie bisher? Der schlechte Zustand der Biodiversität trifft uns alle, aber vor allem auch die Landwirtschaft. Die meisten artenreichen Flächen liegen im Übrigen nicht auf Fruchtfolgeflächen, sondern in Feuchtgebieten oder sind in nährstoffarmen Gebieten wie etwa in Hanglagen zu finden. Sie gehen für die Landwirtschaft also nicht verloren.

Spielen wir auch nicht den Ausbau der erneuerbaren Energien und damit den Klimaschutz gegen die Biodiversität aus. Das eine ist möglich, ohne das andere zu schädigen, wenn richtig geplant wird und wenn die nötigen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen getroffen werden. Die Klima- und[NB]die[NB]Biodiversitätskrise müssen gemeinsam bekämpft werden.

Ich bitte Sie: Schützen wir die Biodiversität, sagen wir Ja zur Initiative und zum Gegenvorschlag!