Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2022-09-29
Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-29
Wortprotokoll
A chaschun da la consultaziun da la petiziun "Furmaziun per tuts e tuttas - ussa! Pussibilitar furmaziun e lavur per fugitivs e fugitivas" ha ina gronda maioritad da la cumissiun decidì da consentir a la petiziun en furma da quest postulat.
In diesem wird der Bundesrat beauftragt aufzuzeigen, in welcher Form und mit welcher Systematik gegenwärtig Daten zum Bildungspotenzial und Bildungsstand geflüchteter Menschen in der Schweiz erfasst werden und wo Lücken bestehen. Im Weiteren soll der Bericht Angaben darüber enthalten, welche Kompetenzen seitens der Geflüchteten für welche Bildungsstufen vorhanden sind und wie diese für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt genutzt werden können. Zudem soll der Bericht den Handlungsbedarf aufzeigen und konkrete Massnahmen zur Schaffung einer besseren statistischen Datenlage vorschlagen. Damit wird sichergestellt, dass allfällige Wissenslücken in Zukunft geschlossen werden können und eine adäquate Betreuung gewährleistet wird.
Weshalb braucht es dieses Postulat? Die Datenlage zum Bildungsstand und Bildungspotenzial geflüchteter Menschen in der Schweiz ist ungenügend, weil der Bund und die Kantone diese Daten bisher eben nicht systematisch erfassen. Das heisst, es fehlen Zahlen, welche ein gezieltes Fakten- und Steuerungswissen für die Politik ermöglichen. Auch für Behörden und Bildungsinstitutionen wären diese Zahlen künftig hilfreich.
Der Bildungsstand von Asylsuchenden wird bei der Ankunft in der Schweiz durch das SEM nicht erhoben. Die vorliegenden Daten aus den Kantonen zur Teilhabe an den verschiedenen Bildungsstufen sind lückenhaft und nicht nach Aufenthaltsstatus aufgeschlüsselt. Der Aufenthaltsstatus ändert sich, weshalb sich über die Personen in der Schweiz laufend ein anderes Bild ergibt. Daher macht es wenig Sinn, die Thematik in absoluten Zahlen anzusehen. Um Aussagen über Bildungspotenziale und Integrationsverläufe zu machen, können Längsschnittanalysen und Korrelationen, die den Aufenthaltsstatus mit einbeziehen, sowie eine prozesshafte Betrachtung der Vergleichsgruppen sinnvoll sein.
Deshalb ist es aufgrund der gegenwärtigen Datenlage praktisch unmöglich, quantitativ belegbare Aussagen über das Bildungspotenzial, den Bildungsverlauf und den erreichten Bildungsstand der Flüchtlingsbevölkerung in der Schweiz zu machen. Diese Tatsache wird sowohl im Bildungsbericht Schweiz als auch von zahlreichen Fachpersonen aus den Bereichen Migration und Integration sowie aus Forschung und Politik festgestellt.
Damit geflüchtete Personen künftig ihren Kompetenzen entsprechend gefördert und nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden können, braucht es ein koordiniertes Vorgehen seitens der Asyl- und Bildungsbehörden, bei dem systematisch Zahlen erhoben, verarbeitet und veröffentlicht werden. Das Erfassen der Kompetenzen und Bildungspotenziale der Flüchtlingsbevölkerung in der Schweiz hilft, den bildungspolitischen Handlungsbedarf abzulesen, gezielt zu steuern und auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Denn es ist sowohl für die geflüchteten Menschen als auch für die Schweiz von grundlegender Bedeutung, den Flüchtlingen und insbesondere denjenigen, die zu einem langfristigen Exil gezwungen sind, berufliche Perspektiven zu bieten, damit sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und sich in unsere Gesellschaft integrieren können.
Eine Kommissionsminderheit - wir hören es dann gerade - lehnt das Postulat ab, mit der Begründung, dass die bisherigen Massnahmen genügen und vorwiegend die Kantone für die Erfassung der Daten zuständig sind.