Masshardt Nadine · Nationalrat · 2022-09-29
Masshardt Nadine · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-09-29
Wortprotokoll
Zu Beginn: Dieses Postulat basiert auf der Idee einer jungen Person, die sich im Rahmen des Projekts Engage.ch geäussert hat. Engage.ch ist ein Projekt des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente und möchte mehr Jugendliche für Politik begeistern.
Zum Inhalt des Postulates: Auf unser Bildungssystem können wir zu Recht stolz sein. Mehrere Weiterbildungen, der Zugang zu höheren Bildungsstufen und auch Berufswechsel werden durch das durchlässige System ermöglicht und gefördert. Nichts ist grundsätzlich ausgeschlossen. Speziell in Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir uns aber fragen, wie diese Durchlässigkeit optimiert werden kann, damit niemandem unnötig Steine in den Weg gelegt werden. Die junge Person, von der diese Idee stammt, hat hier offensichtlich einen unnötigen Stein identifiziert. Bei meinem Postulat geht es im Kern um genau diese Frage, konkret um die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Grundbildung auf Sekundarstufe[NB]II und Universität.
Heute haben Berufs- und Fachmaturanden direkt Zugang zu einer Fachhochschule, für ein universitäres Studium fehlt noch die Passerelle. Diese beinhaltet Prüfungen zu fast dem gesamten Lehrstoff des Gymnasiums, d. h., es werden Deutsch, Englisch, Geschichte und Geografie wie auch Naturwissenschaften und Mathematik geprüft. Die Bandbreite an Fächern, deren Inhalte zudem innerhalb eines Jahres gelernt werden müssen, stellt häufig eine Hürde für Berufs- und Fachmaturanden dar, die ein universitäres Studium in ihrem Fachbereich absolvieren möchten. Man denke beispielsweise an eine Absolventin einer Polymech-Lehre, die nach der Berufsmaturität ein Ingenieurstudium an der ETH in Angriff nehmen möchte. Bei manchen Fächern, die Teil der Passerelle sind, liegt der Unterricht schon lange zurück, und sie haben für den angestrebten universitären Studiengang auch keine Relevanz.
Mit diesem Postulat soll der Bundesrat prüfen, wie für diese qualifizierten Absolventinnen und Absolventen der Zugang zu einem universitären Studium verbessert werden kann. Ebenso soll geprüft werden, für welche Berufs- und Fachmaturanden unter welchen Bedingungen auf eine Passerelle verzichtet werden kann. Es geht nicht darum, die Passerelle gänzlich abzuschaffen oder den Zugang zur Universität für alle zu erleichtern. Es geht hier um eine spezifische Prüfung von Bedingungen für Absolventinnen und Absolventen, die ein universitäres Studium in einem verwandten Bereich angehen möchten.